Archiv für das Tag 'Terra Nova'

Informationsveranstaltungen zu terra nova

18. November 2008

Am 28.11. und 29.11. finden nun im Bürgerhaus Etzweiler und „vor Ort“ in Berrendorf endlich öffentliche Informationsveranstaltungen zum vieldiskutierten Thema terra nova statt.

Im Pressetext der Gemeinde Elsdorf (.pdf) heißt es:

„Am Freitag, dem 28. 11. 2008, 15.30 Uhr, findet im Bürgerhaus Neu-Etzweiler eine Informationsveranstaltung zum Stand der Planung :terra nova im Rahmen der Regionale 2010 statt. Vorgestellt werden durch Vertreter der Reginale 2010-Agentur und den Kreisbaudezernenten die geplante Gestaltung der Tagebaukante im Bereich Elsdorf/Berrendorf mit der Standortplanung für ein Multifunktionsgebäude südlich von Berrendorf, die geplante Gestaltung der Abraumbandanlage des Tagebaus Hambach und das im Bereich der ehemaligen LEP VI-Fläche im Gemeindegebiet Elsdorf und im Stadtgebiet Bergheim vorgesehene interkommunale Gewerbegebiet, das zu einem Kompetenzzentrum für Energielandwirtschaft entwickelt werden soll.

Am Samstag, dem 29. 11. 2008 besteht darüber hinaus in der Zeit von 9.00 bis 12.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Berrendorf, Zum Sportplatz 111, die Möglichkeit zu einer vertiefenden Information über die vorgesehene Planung im Süden der Ortslage Berrendorf. Es können Anregungen und Vorschläge zu der weiteren Planung vorgetragen werden. Die Informationsveranstaltung beginnt mit einer Begehung des Planungsbereiches in der Zeit von 9.00 bis 10.00 Uhr. Treffpunkt ist um 9.00 Uhr am Feuerwehrgerätehaus. Ab 10.00 Uhr besteht die Möglichkeit zur Diskussion im Feuerwehrgerätehaus.“

Kaum Energie aus Elsdorf

3. Oktober 2008

Gerne wird im „Energiekreis“ Rhein-Erft die Kompetenz in Sachen Energie betont, in Projekten wie terra nova werden große Pläne einer „Zukunfts-Landschaft für Energie“ geschmiedet. Ziel sei „gemeinsam mit Industrie und Landwirtschaft neue Wege der Energiegewinnung zu gehen und neue Märkte zu erschließen“. Auch durch Kirchturmdenken und Verwaltungsmentalität ist eine zeitnahe Realisierung des interkommunalen Gewerbegebietes im Norden Elsdorfs (eine Skizze dazu gibt’s hier), in dem dieser „interkommunale Kompetenzraum für Energie“ entstehen soll, wohl eher unwahrscheinlich.

Während auf Verwaltungsebene im Rahmen von terra nova von einer „energiereichen“ Zukunft geträumt wird, werden die Entscheidungen woanders längst getroffen. Die geplante „Fachhochschule für Technologie, Energie und Chemie Rheinland“ hätte wohl jeder gerne in der Region gesehen, es erfolgte eine Absage für den „Energiekreis“. Nach dem Biogas-Pilotprojet in Neurath plant RWE für gut 10 Millionen Euro am Rande des Gewerbeparks Bergheim südlich von Paffendorf eine weitere Biogasanlage zu errichten. Die Angaben zur verwendeten Menge an Mais und Getreide schwanken zwischen 25.000 und 45.000 Tonnen jährlich, die Angaben zur erzeugten Menge Biogas variieren ebenfalls, und zwar zwischen 10.000 m³ am Tag und 600 m³ in der Stunde (entspricht ca. 14.400 m³ am Tag). Gerne wird dieses Projekt zu terra nova gerechnet, de facto laufen die Planungen aber zwischen RWE und der Stadt Bergheim. 

Wer nun denkt dass dies ein großer Wurf für den westlichen Erftkreis ist sollte mal nach Jülich schauen, wo Pfeifer & Langen, Mutterkonzern der Zuckerfabrik Jülich AG, ebenfalls eine Biogasanlage errichten wird. Geplant ist anfangs eine Leistung von 1.000 m³ Biogas in der Stunde, die später auf 8.000 m³ in der Stunde (!) ausgebaut werden soll. Die neue Anlage soll direkt neben der Zuckerfabrik errichtet werden. Mit 1,4 bis 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben je Kampagne steht mehr als die 30fache Menge an Biomasse zur Verfügung als in Bergheim. Ob der Bau aus den von der EU gezahlten Stilllegung- und Rückbauprämien für die Zuckerfabrik Elsdorf (man hört von bis zu 20 Millionen Euro), die in den nächsten Monaten größtenteils demontiert wird, oder gemeinsam mit RWE finanziert wird ist gleich, ein fader Beigeschmack für Elsdorf bleibt. Hatte der geplante Bau einer Biogasanlage bereits eine Rolle bei der Entscheidung von Pfeifer und Langen, die Rübenverarbeitung und Produktion ausgerechnet im Stammwerk in Elsdorf zu schließen, gespielt? Eine Erweiterung der Zuckerfabrik Elsdorf mit einer Biogasanlage wäre durch den nahen Tagebau (wie nah der Tagebau ist sieht man gut auf einem Luftbild der Kölnischen Rundschau) und die den Tagebau umgebende Sicherheitszone, in der keine Gebäude errichtet werden dürfen, wohl nicht so einfach möglich gewesen. 

Bei den (Groß-)Projekten geht Elsdorf ebenso wie bei der Ansiedlung neuer Unternehmen meist leer aus. Der Grund hierfür ist naheliegend: die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Die Fehler wurden aber nicht in den letzten Jahren, sondern bereits in den letzten Jahrzehnten gemacht. Zu wenig wurde in das wirtschaftliche Wachstum Elsdorfs investiert, zu lange hat man sich allein auf RWE und Pfeifer & Langen verlassen. Höchste Zeit, schnell an der Umsetzung des interkommunalen Gewerbegebietes, an der Ausweisung und Vermarktung neuer Gewerbeflächen und an der Attraktivität Elsdorfs als Wirtschaftsstandort zu arbeiten.

Konkrete Vorstellungen zu Terra Nova

30. Januar 2008

Vor gut einer Woche stellte der zuständige Dezernent des Kreises, Manfred Kohlmann, den aktuellen Stand von Terra Nova im Elsdorfer Rathaus in einer öffentlichen Sitzung vor. Es entstand während des Vortrags und in der anschließenden Fragerunde schnell der Eindruck, dass DIE GRÜNEN, auf deren Initiative die Einladung erfolgte, und die SPD die einzigen Parteien waren, die sich im Vorfeld bereits mit dem Thema näher beschäftigt haben. Die FDP ließ sich von einem einzigen sachkundigen Bürger vertreten, die FDP-Ratsherren glänzten wieder durch Abwesenheit. Das Desinteresse der CDU zeigte sich durch ständiges Gequatsche während des Vortrags, auch die anschließende Wortmeldung des CDU-Sprechers Hans-Theo Schmitz erfolgte wohl mehr aus dem Antrieb auch etwas sagen zu müssen als aus sachlichem Interesse.

Skizze der SPD Elsdorf zu Terra NovaDie Elsdorfer SPD hat nun die von Fraktion und Ortsverein gemeinsam entwickelten Vorstellungen zu Terra Nova ausformuliert und u.a. auf ihrer Homepage vorgestellt. Die Schwerpunkte liegen dabei vorerst auf der Bandtrasse und dem nördlichen Tagebaurand, der Grund hierfür dürfte der enge zeitliche Rahmen sein: bereits im Februar soll der Architektenwettbewerb zur Gestaltung der Tagebaukante europaweit ausgeschrieben werden, ab Frühjahr wird die Bandtrasse nicht mehr zum Transport von Abraum benötigt und kann umgestaltet werden.

Zur Tagebaukante schreibt die SPD:

„Für die Region und natürlich für Elsdorf ist die Neugestaltung der Tagebaukante von hoher Wichtigkeit, bringt sie doch die Möglichkeit, den Abbaurand des Tagebaus auf unserer Seite zu einem überregionalen und herausragenden Anziehungspunkt zu gestalten. Die SPD-Elsdorf hat mit großem Interesse die Beiträge der Planungsbüros zu diesem Thema verfolgt und möchte ihre Vorstellungen dazu frühzeitig mit einbringen. Für uns ist es wichtig, den Bereich diesseits des Schutzwalles bis zur ersten örtlichen Bebauung zu „begrünen“ und zu einem erlebbaren Landschaftspark mit Wegenetz auszubauen. Bestehende Grünflächen sollen dabei eingebunden werden. Wir meinen, wir haben ein Recht auf einen Ausgleich für die durch den Tagebau verlorenen Wald- und Grünflächen bereits vor der Tagebau-Rekultivierung, die im Bereich Elsdorf erst in gut 20 Jahren beginnt. In diesem Landschaftspark könnten ideal die Vorstellungen der „bbz“- und „Lohrberg“-Planer eingebettet werden, die Entwicklung des Tagebaus in Form eines Zeitstrahls an der Tagebaukante darzustellen. Ein „versetzbarer“ Aussichtspunkt, der dem fortschreitenden Tagebau gerecht wird und ein Informations- bzw. Begegnungszentrum könnten den Bereich komplettieren. Vielleicht ist es sogar möglich, die spätere Rekultivierung mit einzubeziehen.“

Zur Bandtrasse heißt es:

„Die Frage nach der Gestaltung der Abraumtrasse eröffnete in Ihrem Vortrag verschiedene Vorstellungen zu möglichen Straßenführungen, u. a. auch im Zusammenhang mit der sogenannten LEP VI-Fläche. Für die SPD-Elsdorf hat der Ausbau der K 30n von der Oststraße bis Esch als Nordumgehung für Elsdorf oberste Priorität. Die Verwirklichung dieser Straße – als Umgehung und der Entwicklung Elsdorfs dienend – muss durch die Planungen im Rahmen von terra nova unangetastet bleiben. Weitere Priorität hat für uns der Ausbau der K 38n (Verlängerung der Carl-Diem-Straße) über einen Teil der alten Bahntrasse bis zur L 213 mit der Möglichkeit der direkten Anbindung an die LEP VI- Fläche. Als weiteren Schritt stellen wir uns vor, dass die K 30n an die Grubenrandstraße angeschlossen werden soll. Entgegen dem Vorschlag eines Planers soll die Abraumbandtrasse mit ihren begrünten Böschungen auf keinen Fall zugeschüttet werden, sondern als Grünstreifen erhalten bleiben. Wünschenswert ist eine Nutzung im Sinne der Freizeit und Naherholung, ohne dabei den landschaftlichen Charakter als „grünes Band“ zu verändern. So halten wir uns verschiedene Optionen zur späteren Gestaltung und Nutzung offen, etwa für denn Fall, dass es nicht zum Ausbau der K38 kommt. Wir begrüßen den Vorschlag, dass die Alternativen möglicher Straßenführungen gutachterlich geprüft werden.“

Das vorgeschlagene Verkehrskonzept ist schlüssig, eine weitere Entwicklung Elsdorfs ist dadurch gewährleistet. Die Grün- und Freitzeitflächen können die Lebensqualität in Elsdorf spürbar aufwerten, die Gestaltung der Tagebaukante insbesondere mit dem neuen Aussichtspunkt und dem Informationszentrum kann das Image und den Bekanntheitsgrad Elsdorfs deutlich verbessern. Hoffen wir, dass diese Vorschläge in Elsdorf und bei den an Terra Nova Beteiligten eine breite Mehrheit finden, die Fördermittel im Rahmen der Regionale 2010 gewährt werden und sowohl der Kreis als auch RWE Power zu ihren Zusagen stehen!

Öffentliche Sitzung zu Terra Nova

16. Januar 2008

Am Dienstag, den 22.01. wird um 18:00 eine öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bau und Blanung und des Ausschusses für Umwelt und Verkehr zum Thema „Terra Nova“ im Sitzungssaal des Rathauses Elsdorf stattfinden. Der zuständige Dezernent des Rhein-Erft-Kreises, Manfred Kohlmann, wird das Projekt, den aktuellen Planungsstand und die weitere Vorgehensweise vorstellen. Es werde neue Aspekte und Vorschläge vorgestellt werden, die ganz neue (planerische) Möglichkeiten für Elsdorf eröffnen. 

Auf der Homepage der SPD Elsdorf gibt es sowohl eine Einführung in das Projekt Terra Nova als auch eine kurze Vorstellung der im Dezember vorgestellten Entwürfe, weitere Informationen gibt es ebenfalls auf der Homepage der Regionale 2010.

Vorschlag zur Gestaltung der Tagebaukante der Büros Knüvener, Fritzen und HölscherVorschlag zur Gestaltung der Bandanlage der bbz landschaftsarchitekten, Berlin

Wat soll dat denn?

22. Dezember 2007

Die politische Situation in Elsdorf ist, um es vorsichtig zu sagen, festgefahren: der SPD-Bürgermeister Effertz muss sich gegen eine schwarz-gelbe Ratsmehrheit behaupten, die ausgerechnet von dem ihm bei der letzten Kommunalwahl unterlegenen Herrn Schiffer (CDU) angeführt wird. Mit jeder Menge persönlichem Zündstoff. Der Haushalt 2007 wurde erst im Sommer verabschiedet, Mitarbeiter sozialer Einrichtungen mussten um ihr Gehalt bangen, die Öffnung des Freibades drohte sich auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Eine ähnliche Farce gab es um die Öffnung des Hallenbades.

Das alles wurde aber überschattet durch das Spiel um den Kanalverkauf; die Übertragung des Kanals; nein, die „Aufgabenübertragung des gemeindlichen Kanalnetzes“ an den Erftverband. Die im wesentlichen von Frank Granderath initiierte und angeführte Bürgerinitiative „Kein Kanal-Verkauf“ wußte dies durch ein Bürgerbegehren und den anschließenden Bürgerentscheid, bei dem sich die Elsdorfer Bürger mit einer Wahlbeteiligung von 43% und einer Mehrheit von gut 85% gegen die Übertragung aussprachen, gekonnt zu verhindern. Kurzfristig hätten die durch die Übertragung ins Gemeindesäckel gespülten ca. 30 Millionen Euro der Gemeinde sicherlich gut getan, langfristig ist nach den Berechnungen der Gegner der Kanalnetzübertragung der Verbleib in der gemeindlichen Verwaltung günstiger. Günstiger wäre es sicherlich auch gewesen, erst einmal die rechtliche Klärung abzuwarten: am 06.12. wurde vom Landtag in seiner 77. Sitzung verfügt, dass Übertragungen in dieser Form nicht mehr zulässig sind – die geschätzten 35.000 Euro für den Bürgerentscheid hätte man sich sparen können. Das Gesetz wurde übrigens durch die CDU/FDP-Mehrheit im Landtag beschlossen, gegen den Willen der SPD und der GRÜNEN. Also umgekehrte politische Standpunkte wie in Elsdorf, wo sich letztere bekanntlich gegen die Übertragung einsetzten. 

Auch 2008 wird es spannend weiter gehen. Der neue Haushaltsentwurf ist sehr umstritten, die CDU/FDP-Ratsmehrheit wird voraussichtlich eine Blockadehaltung einnehmen („Hätten wir den Kanal verkauft, dann…“). Wird das Altersheim am Ostbahnhof wirklich gebaut? Wie geht es weiter mit Terra Nova, dem Projekt, das Millionen an Fördermitteln nach Elsdorf bringen kann, die aber nach Ansicht einiger Politiker nur für Ideen von „Grünen Spinnern und Träumern“ eingesetzt würden und daher lieber blockiert werden? Wird es ein Naherhohlungsgebiet geben und wird die Tagebau-Nordkante doch in absehbarer Zeit weiter begrünt? Wie entwickeln sich die Baugebiete entlang der alten Bahntrasse, an der Carl-Diem-Straße und „am Kapellchen“? Werden Freibad und Hallenbad auch im nächsten Jahr wieder geöffnet? Werden neben dem mannshohen Zaun um die Elsdorfer Haupt- und Realschule weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen (wie wäre es mit Nato-Draht, Sicherheitsdienst, Videoüberwachung?), um die Anwohner vor den Schülern und die Schule vor Randalierern zu schützen? Werden die „schwarzen Sheriffs“ die bösen ausländischen Jugendlichen in den Griff bekommen? Oder besinnt man sich darauf, dass soziale Arbeit (zum Beispiel durch Streetworker) vielleicht doch sinnvoller ist als Repression und Verdrängung? Jede Menge interessante Themen, die mehr als genug Material liefern für dieses Blog. Garantiert.