Archiv für das Tag 'Tagebau'

Fahr mal zum Inde, Mann!

28. November 2009

Zwischen Köln und Aachen liegt, gar nicht weit von der A4, die Gemeinde Inden. Wie kaum eine zweite (und in Relation zur Gemeindefläche noch mehr als Elsdorf) ist sie vom Braunkohlenabbau betroffen, der Tagebau Inden führte zu zahlreichen Umsiedlungen. Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Euregionale 2008 und RWE Power entsteht in der Region und direkt am Tagebau ein Naherholungs- und Freizeitgebiet, dessen Aushängeschilder der Blausteinsee und der Indemann sind. Vor gut 1 1/2 Jahren konkretisierten sich die Planungen, auch hier im Blog wurde bereits darüber berichtet.

Der große Indemann ist nun fertig gestellt. Exponiert auf der Goldsteinkuppe gelegen ermöglicht er einen prächtigen Blick über die Gegend. Das Ausflugsziel wird gut angenommen, bei schönem Wetter kann es schon mal eng werden mit Parkplätzen.

Indemann
Indemann
Indemann

Nicht weit entfernt liegt der Tagebau Inden. Dieser hat aus Sicht des Besuchers einen deutlichen Vorteil: er ist deutlich kompakter (und flacher) als der Tagebau Hambach, sodass die einzelnen Schritte des Braunkohlenabbaus deutlich besser zu erkennen sind. Zudem wirkt der Tagebau eher wie ein großer Sandkasten und damit deutlich weniger zerstörerisch – oder gar bedrohlich – wie der Tagebau Hambach

Der hier errichtete Aussichtspunkt  lässt den ziemlich heruntergekommenen Aussichtspunkt in Elsdorf wirklich blass erscheinen: ansprechend auf 2 Ebenen angelegt, mit zahlreichen Schautafeln und einem „kleinen Indemann“ ermöglicht der Aussichtspunkt einen wirklich guten Blick in den Tagebau.  Um Vandalismus vorzubeugen ist der Aussichtspunkt übrigens videoüberwacht.

Aussichtpunkt Tagebau Inden
Aussichtpunkt Tagebau Inden
Aussichtpunkt Tagebau Inden

Der Indesche Ozean kommt

9. Dezember 2008

Der Braunkohlenausschuss hat gesprochen: zwischen Jülich und Düren wird der Indesche Ozean  entstehen. Statt wie ursprünglich geplant den Tagebau Inden nach der Auskohlung im Jahre 2030 mit dem Abraum des Tagebaus Hambach vollständig zu verfüllen wird das Loch offen gelassen und geflutet. Bis zum Jahre 2065 wird so der größte See Nordrhein-Westfalens entstehen: der Hambacher See wird zwar größer, aber erst um das Jahr 2100 vollständig mit Wasser gefüllt sein. Bereits jetzt ist das Indeland mit dem Blausteinsee, dem neuen Bett des Flusses Inde und der touristischen Erschließung des Tagebaus vorbildlich, bereits vor einigen Monaten wurde darüber hier ausführlich berichtet.

Kritik an dem „Ozean“ kam von verschiedenen Seiten: die Landwirtschaft bemängelt, dass aus deren Sicht wichtige landwirtschaftliche Flächen auf Dauer verschwinden, Naturschützer kritisieren, dass mit dem See eine ökologisch größtenteils tote Fläche entstehen wird. Selbst aus Elsdorf gab es Einwände, es wird ernsthaft Konkurrenz zum erst einige Jahrzehnte später vollständig gefluteten Hambacher See gefürchtet. Dabei können wir froh sein, dass durch den Verbleib großer Mengen Abraums im Tagebau Hambach das Volumen des Sees voraussichtlich kleiner wird. Um was für Dimensionen es sich bei den zukünftigen Seen handelt scheint vielen nicht bewusst zu sein: der Indesche Ozean wird die Größe des Tegernsees haben, der Restsee Hambach wird nach dem Bodensee der zweitgrößte See Deutschlands werden – zum Bötchen fahren und Fischen ist auch ein kleineres Gewässer mehr als ausreichend. Zumindest wird anscheinend genug Wasser zum Fluten der Tagebaulöcher Inden, Garzweiler und Hambach vorhanden sein – wie glaubhaft und zuverlässig diese Prognosen sind und warum gerade jetzt vor dem entscheidenden Treffen des Braunkohlenausschusses die Ergebnisse der Untersuchungen vorgelegt wurden kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden.

Großer Nutznießer der Entscheidung ist RWE: statt mit hohem finanziellem Aufwand, man spricht von um die 250 Millionen Euro, über Jahrzehnte Unmengen von Abraum vom Tagebau Hambach in den Tagebau Inden bringen zu müssen, um diesen zu verfüllen, wird das Loch mit bis zu 800 Millionen Kubikmetern Wasser geflutet. Höchstens ein Bruchteil des so eingesparten Geldes wird in der Region landen, einen Großteil wird RWE für sich verbuchen. Die Hoffnung, dass, wie es angemessen wäre, zumindest ein Teil des eingesparten Geldes in Projekte in den durch die Tagebaue geschädigten Kommunen geht ist wohl ebenfalls nicht realistisch.

Die kleine Gemeinde Inden jedenfalls geht anscheindend den richtigen Weg, wobei die Gemeinde sich beeilen muss: die Einwohnerzahl sinkt, auch durch die Umsiedlungen wegen des Tagebaus, stetig. Wenn man den Berichten in der Presse glauben mag werden schon jetzt ein lebenswertes Umfeld geschaffen und gezielt spezialisierte Unternehmen angesiedelt, auch in Hinblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung tut sich in der Gemeinde Inden wohl einiges, es werden Visionen entwickelt und vorangetrieben. Anstrengungen, die Rat und Verwaltung der Gemeinde Elsdorf ebenfalls intensiver angehen könnten.

Neue Energie für Elsdorf?

3. Oktober 2008

Im niederländischen Heerlen wurde ein sehr interessantes Pilotprojekt gestartet: mit Grubenwasser wird ein ganzes Viertel geheizt. Das Prinzip klingt einfach: kaltes Wasser wird in die Erde bzw. in die alten Stollen eines Bergwerkes gepumpt, heizt sich durch die Erdwärme auf und wird anschließend, auf die richtige Temperatur gebracht, nach dem Prinzip der Fernwärme in die Häuser geleitet. Die Kosten sind laut Aachener Zeitung nicht höher als mein Heizen mit Gas, die Investitionen in Höhe von fast 16 Millionen Euro wurden unter anderem von Stadt und EU finanziert: 4,3 Millionen Euro zahlte die Kommune, 8,8 Millionen kamen von der EU.

Rund um den Tagebau Hambach wird Grundwasser aus einer Tiefe von gut 450 Metern abgepumpt, damit der Tagebau nicht absäuft. Eine Quelle, wie hoch die Temperatur des Sümpfungswassers ist, liegt nicht vor, man kann aber von mehr als 20 °C ausgehen. Die Sümpfungswasser werden zwar gekühlt, dann aber mit einer immer noch recht hohen Temperatur in die Erft eingeleitet. Der Erftverband nutzt das so erwärmte Erftwasser selbst zum Beheizen eigener Gebäude. Mittels Wärmetauscher und/oder Wärmepumpe sollte es möglich sein, die Wärmeenergie auch für Elsdorf zu nutzen, etwa um öffentliche Gebäude oder neue Siedlungen zu heizen. Da der Tagebau noch bis mindestens 2045 ausgebeutet wird, würde dies eine kostengünstige und von den Gaspreisen unabhängige Energieversorgung für die nächsten Jahrzehnte bedeuten. Bleibt die Frage der Kosten. Für RWE wäre dies ein prestigeträchtiges Image-Projekt, welches die Akzeptanz in der Region sicherlich erhöhen würde und das sich das Unternehmen ein paar Euro kosten lassen sollte. Wenn Zuschüsse und Fördermittel für das Projekt in Heelen gezahlt werden kann auch dieses Projekt förderwürdig sein. Die Kosten für die Gemeinde könnten sich durch langfristige Einsparungen bei den Heizkosten amortisieren.

Panorama Tagebau Hambach

3. April 2008

Panorama Tagebau HambachEndlich gelang es ein verwendbares Panoramabild vom Tagebau Hambach zu erstellen. Die Schwierigkeit bei den Fotos war neben dem Erfassen der großen Ausdehnung des Tagebaus klares Wetter mit guter Sicht zu erwischen und gleichzeitig etwas bedeckten Himmel zu haben, um nicht ins Gegenlicht zu kommen. 

Die einzelnen Fotos wurden am Rechner digital nachbearbeitet und zusammengesetzt. Die Perspektive entspricht ungefähr einem 35mm-Objektiv, daher die starke Krümmung im Vordergrund des Fotos. Diese Einstellung hat aber den Vorteil, dass der Horizont nahezu horizontal verläuft. Leider lässt sich die Höhe der Sophienhöhe (rechts im Bild) dadurch nur noch erahnen.  

Beim Klick auf die Miniaturansicht öffnet sich das Panorama des Braunkohlentagebaus Hambach, fotografiert vom Aussichtspunkt Elsdorf, mit ca. 2500×650 Pixeln und ca. 530 kB. Durch die Größe wird zwar Scrollen erforderlich, die Dimension des Tagebaus erschließt sich so allerdings besser (zum Schließen der Panoramaansicht bei niedrigeren Bildschirmauflösungen bitte die „Esc“-Taste drücken).

Wer hat Angst vorm Indemann?

9. März 2008

Der Indemann (Quelle: Wikipedia / Maurer United Architects [MUA])Genau zwischen Elsdorf und Aachen ist eine neue Landschaft am entstehen: das Indeland. Diese Region wird durch Naherhohlungs- und Freizeitgebiete und die Schaffung entsprechender Infrastruktur landschaftlich und kulturell aufgewertet. In das Projekt sind der Blausteinsee, der Fluß Inde und der Tagebau Inden einbezogen, zudem der Brückenkopfpark in Jülich und der Römerpark in Aldenhoven. Ermöglicht wird dieses im wesentlichen durch die EuRegionale 2008 und durch eine gute Zusammenarbeit mit RWE Power, die die Gegend durch den Braunkohlenabbau prägte. 

Die Macher haben sich einiges vorgenommen:

  • Aussichtsturm Indemann auf der Goltsteinkuppe in Inden mit Gastronomie
  • Tagebauaussichtspunkte mit kleinen Indemännern südlich und nördlich des Tagebauloches in Inden
  • Erster Ausbaustufe Funsport-Aktiv-Freizeithalde auf und Sportpark Inden am Fuß der Goltsteinkuppe in Inden
  • Seebühne, Se(e)hfenster und Seetribüne am Blausteinsee in Eschweiler
  • Erste Ausbaustufe Seezentrum am Blausteinsee
  • Eingangstor, Sanierung Römerpark inkl. Renaturierung Merzbach, Uferkante und GrünZUG in Aldenhoven
  • Ausbau Brückenkopf-Park, Zeltplatz und Wohnmobilstellplatz in Jülich
  • Illumination von Tagebaubereichen 
  • Wegenetz für Naherholung
  • Feste, Aktionen und Events in und rund um indeland herum

Blausteinsee (Quelle: EuRegionale 2008 Agentur GmbH)Der Blausteinsee ist bereits jetzt ein hochwertiges Naherholungsgebiet mit einem großen Freizeitwert. So sind Tauchen, Segeln, Surfen, Kanu / Boot fahren, Skaten, Radfahren, Wandern und Schwimmen auf dem Gelände des ehemaligen Tagebaus möglich. Der wegen des Tagebaus Inden verlegte Fluß Inde wurde als Auenlandschaft naturnah zum Naherhohlungsgebiet ausgebaut (.pdf von RWE Power). Nach Informationen der Kölnischen Rundschau wird der 48 Meter hohe und 7,5 Millionen Euro teure Aussichtstum „Indemann“ bereits in diesem Herbst errichtet sein, die Eröffnung ist für Mitte nächsten Jahres geplant. Neben einer Aussichtsplattform im Arm des Indemanns sind unter anderem Gastronomie- und Tagungsräume vorgesehen. Von hier aus wird ein weiter Blick über die Region und den Tagebau Inden möglich sein, zudem wird das Bauwerk „künftig Wahrzeichen der sich verändernden Landschaft im Braunkohlentagebau Inden“ sein. Sehr interessant ist das Konzept mit den beiden „kleinen Brüdern“ des Indemanns, die als Aussichtspunkte am Bandsammelpunkt bzw. am gegenüberliegenden Rand mobil oberhalb der Abbausohle des Tagebaus eingesetzt werden. Der Tagebau Inden soll nach der Auskohlung zum „Indeschen Ozean“ werden – statt Agrar-Monokulturen soll hier ein See von der Größe des Tegernsees entstehen, der ab 2060 die Landschaft noch attraktiver macht. Dies wird vom Nachbarn, dem Rhein-Erft-Kreis, mit Skepsis beobachtet, schließlich befürchtet man hier eine Konkurrenz für den voraussichtlich erst 40 Jahre später gefluteten Hambacher See und einen landwirtschafltichen Flächendruck.

Die Verantwortlichen im Kreis Düren haben die Bedeutung dieses wichtigen Projektes richtig erkannt und bezeichnen es zurecht als Jahrhunderprojekt und „Eine Chance, die wir nutzen müssen“. Das Konzept wird sich auch wirtschaftlich rechnen: ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld in Kombination mit hoch qualifizierten Arbeitskräften aus den nahen Bildungsstandorten Aachen (RWTH ) und Jülich (Forschungszentrum) und einer guten Verkehrsanbindung sind ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von (High-Tech-)Unternehmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Ähnliche Möglichkeiten bieten sich im nördlichen Rhein-Erft-Kreis durch die Regionale 2010 mit dem Projekt terra nova und Kooperationen mit RWE Power. Hoffentlich wird dies auch hier im Kreis bzw. in den an terra nova beteiligten Kommunen Bedburg, Bergheim und Elsdorf von den Verantwortlichen ebenfalls als „Eine Chance, die wir nutzen müssen“ gesehen.

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