Archiv für das Tag 'Stadtrechte'

Elsdorf wird Stadt

6. April 2009

Nun wird Elsdorf nach langem Geringe also tatsächlich zur Stadt: eine große Mehrheit der Ratsherren (und -damen) sprach sich in den Ausschüssen für die Beantragung der Stadtrechte aus, die bei entsprechendem Ratsbeschluß Ende April voraussichtlich im nächsten Jahr erteilt werden.

Hauptargumente von Politik und Verwaltung sind die Vorteile durch das eigene Bauamt und ein eigenes Jugendamt, die Argumentationen sind zum Teil allerdings etwas abenteuerlich (auf der Homepage der SPD heißt es etwa: „Ein eigenes kommunales Jugendamt ist nicht mehr aufzuhalten. Beispiele bestätigen dies.“). Mit Eitelkeiten und mehr Macht der Politiker hat die „Stadtwerdung“ natürlich nicht zu tun.

Ob die beiden Ämter in Elsdorf für die betroffenen Bürger wirkliche Vorteile bringen wird sich zeigen – die Farce um den Bau des Minaretts in der Mittelstraße, dessen Errichtung vom Elsdorfer Bauausschuss nicht nur aus fachlichen Gründen immer wieder untersagt wurde (der Kreisdezernent Manfred Kohlmann spricht in diesem Zusammenhang von einem „Akt der Willkür“) und schlussendlich vom Kreis genehmigt wurde ist nicht, wie Hans-Theo Schmitz (CDU) im gleichen Artikel in der Rundschau zitiert wird ein „dicker Grund dafür, dass das Bauamt nach Elsdorf kommt“ sondern weckt eher Befürchtungen, dass das Elsdorfer Kirchturmdenken und politische Willkür noch weiter gestärkt werden.

Angesichts des wenig fortschrittlichen Umgangs mit auffälligen Jugendlichen in Elsdorf (Wachdienst und Zäune anstelle von pädagogischen Konzepten) lässt auch das eigene Jugendamt insbesondere bei der wohl dauerhaft schlechten finanziellen Situation Elsdorfs und der daraus sehr wahrscheinlich resultierenden finanziellen und personellen Unterversorgung des Jugendamts wenig Gutes erwarten.

Die Beantragung der Stadtrechte wäre auch eine gute Gelegenheit für eine Bürgerbeteiligung gewesen – jetzt beschließen wieder wenige „Auserwählte“, deren Legitimation bereits gut 5 Jahre zurückliegt, einen wichtigen Punkt in der Entwicklung Elsdorfs, der nicht unbedingt die Rückendeckung der Bevölkerung besitzt.

Stadt Elsdorf?

4. November 2008

Woran denken Sie, wenn Sie an eine Stadt denken? Volle Straßen, imposante Gebäude, viele Menschen, Fußgängerzonen mit tollen Geschäften und Kultur? Es kann sein, dass Sie Ihr Bild von einer Stadt bald ändern müssen, denn auch Elsdorf strebt die Stadtrechte an. Was zuerst klingt wie ein schlechter Scherz ist absolut ernst gemeint und auch möglich: Voraussetzung um in NRW zur Stadt zu werden ist, dass mehr als 20.000 Menschen in der Kommune leben – egal, wie weit zerstreut und wie klein die einzelnen Ortsteile sein mögen.

Als Bürger der Gemeinde fragt man sich natürlich, was das soll. Kaum ein Elsdorfer wird sich als „Städter“ fühlen, die angepriesenen Vorteile der „Stadtwerdung“, mehr Befugnisse für das Bauamt und ein eigenes Jugendamt, dürften für die meisten Einwohner eher uninteressant sein oder gar die Befürchtung wecken, dass es noch chaotischer wird als schon jetzt, wie etwa bei der Einführung der getrennten Abwassergebühr.

Als Stadt braucht man dann natürlich auch einen Slogan, Spiegel online hat einige schöne aufgeführt. Grevenbroich bezeichnet sich als „Bundeshauptstadt der Energie“, Norderstedt ist „Eine Idee voraus“, Meerbusch „immer im rechten Licht“, Kaiserslautern propagiert „Wer uns findet, findet uns gut“, Karlsruhe hat „viel vor. viel dahinter.“, mit „Stadt mit Herz! … Und nette Leute“ wirbt die Weltstadt Friesoythe im norddeutschen Niemandsland.  Wie wäre es für Elsdorf mit einem Wettbewerb? Es wäre sicher interessant, was dabei rauskommt….