Archiv für das Tag 'Riester-Rente'

Unsere Renten…

5. Juni 2008

Über die Renten wurde in den vergangenen Wochen viel diskutiert, sei es im Januar über Sinn und Unsinn der Riester-Rente oder jüngst über die Altersarmut. Innerhalb weniger Minuten kann man mit Hilfe eines Rentenrechners, etwa dem der Süddeutschen Zeitung oder vom Magazin Focus, ausrechnen, mit wie viel Rente man im Alter rechnen kann. Angesichts der kontroversen Mindestlohndiskussionen ist es interessant, einmal auszurechnen, was ein in ausgewählten Branchen nach Tariflohn bezahlter 35jähriger Arbeitnehmer in NRW nach 35 Jahren Maloche bei einem Renteneintrittsalter von 67 nach heutigem Stand ungefähr an Rente zu erwarten hat.

Branche €/Stunde €/Monat Rente
Frisörhandwerk 4,93 763 176,99
Hotel/Gaststätten 5,34 902 285,32
Gartenbau 5,92 1000 381,45
Gebäudereiniger 6,05 1022 389,84
Dachdeckerhandw. 6,13 1035 394,80
Einzelhandel 7,36 1199 457,36
Maler/Lackierer 8,05 1394 531,74
Bau 10,40 1801 686,99

Die Tariflöhne reichen kaum aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten, geschweige fürs Alter Rücklagen zu bilden. Ein wie von der SPD und den Gewerkschaften geforderter Mindestlohn von 7,50 würde für viele Beschäftigte eine deutliche Verbesserung bedeuten und helfen, die Existenz zu sichern. Und das ist eigentlich das Mindeste, was möglich sein sollte: mit der eigenen Arbeit ohne Schwarzarbeit oder Lohnzuschüsse seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und von der erarbeiteten Rente leben zu können.

„Steuergeschenke“ wie von den C-Parteien und der FDP vorgeschlagen helfen in diesen Gehaltsgruppen nicht weiter, wie die Berechnung mit Hilfe eines Lohnsteuerrechners (etwa vom Stern) zeigt. So liegt beispielsweise die Lohnsteuer eines Alleinstehenden, Steuerklasse I mit einem Jahreseinkommen von 12.000 EUR bei 158 Euro im Jahr, Verheiratete mit einem Kind sind bereits jetzt bis zu einem Einkommen von über 20.000 Euro steuerfrei. Steuerentlastungen kommen hier also gar nicht an. Was diesen Menschen nur helfen kann sind gerechte Mindestlöhne und, wie von der SPD vorgeschlagen, die Senkung der Sozialabgaben in den unteren Einkommensschichten. Alles andere ist reiner Populismus.

Die auf uns zukommenden sozialen Probleme durch die (Alters-)Armut lassen sich so freilich nicht vollständig lösen, hier sind erneute Korrekturen an der Rentenformel bzw. neue Konzepte gefragt. Die Rhein-Erft SPD setzt sich etwa für ein Grundeinkommen ein, mit dem man sich, bevor man es grundsätzlich ablehnt, erst einmal näher auseinandersetzen sollte. Eine andere Möglichkeit wäre die Einbeziehung Aller, egal ob Selbständiger oder Großverdiener, und aller Einkommensformen in das Rentensystem bei einer Deckelung der Höchstrente und einer Mindestrente, eventuell mit weiteren Säulen (Betriebsrente, staatlich geförderte Eigenvorsorge) also eine Mischung aus „Rüttgers-Rente“ und dem Schweizer Modell mit einer Stärkung des Solidar-Prinzips statt einer weiteren Aushöhlung.