Archiv für das Tag 'Hambach'

Innovationen für das Rheinische Braunkohlenrevier

10. Mai 2009

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet gab sich neben den publikumsstarken Veranstaltungen am Wochenende (Brings-Konzert im Zelt neben der Elsdorfer Festhalle, Elsdorfer Maimarkt auf der Köln-Aachener Straße, Eröffnung des Elsdorfer Freibades, Maifest der Maigesellschaft „Holdes Grün“ in Neu-Etweiler) im Elsdorfer Josefsheim die (SPD-)Parteiprominenz ein Stelldichein, um mit RWE-Arbeitnehmervertretern und RWE-Verantwortlichen gemeinsam die Weichen für die Zukunft des Rheinischen Braunkohlenreviers zu stellen.

 

Der Einladung von AfA (Ausschuss für Arbeitnehmer) und SPD Mittelrhein waren einige der (zukünftigen?) Bürgermeister der betroffenen Kommunen, darunter Wilfried Effertz (Eldorf), Heike Steinhäuser (Bedburg), Kai Fassbender (Bergheim) und Rudi Bertram (Eschweiler), ebenso gefolgt wie einige Landtagsabgeordnete inklusive der NRW-Vorsitzenden Hannelore Kraft, die Bundestagsabgeordnete Gabi Frechen, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ulrich Kelber und nicht zuletzt der von den vielen Plakaten bekannte, freundlich grüßende Europarat-Kandidat Sebastian Hartmann.

 

Klar, dass bei der Masse an anwesenden Arbeitnehmer-Funktionären Umweltschutz und lokale Probleme durch den Braunkohlentagebau nur eine untergeordnete Rolle spielten. Einige Punkte kristallisierten sich daher schnell heraus: an der (Braun-)Kohle hält die SPD in NRW definitiv fest, es gibt ein „klares Bekenntnis für die Braunkohle“. Die ab 2013 für die Energiekonzerne kostenpflichtigen Emissionszertifikate, mit denen umweltschädliche, CO2-intensive Energieformen bestraft und saubere gefördert werden sollen, werden als Gefahr für die Braunkohle und die damit verbundenen Arbeitsplätze gesehen (man spricht vom möglichen Verlust von 4000-5000 Stellen) und man macht sich Sorgen, wie es nach 2030, wenn der erste der drei noch offenen Tagebaue Garzweiler, Inden und Hambach ausgekohlt ist, mit den dann noch vorhandenen Arbeitsplätzen weiter geht. Wie viele Arbeitsplätze dies dann noch betreffen wird kann jetzt natürlich keiner sagen (wenn der Stellenabbau von RWE so weiter geht werden es sicherlich deutlich weniger als heute sein), aber man kann ja schon mal Forderungen stellen. Da passt es auch ganz gut, dass Hannelore Kraft und Sebastian Hartmann Seitens der Politik gleich mehrfach mögliche Milliarden an Mitteln von der EU für die Strukturförderung ins Gespräch brachten.

 

Das Treffen mündete in der „Elsdorfer Erklärung“, in der sich die Unterzeichner (zu denen ein Gr0ßteil der Anwesenden zählte) für die Braunkohlenregion als „Energielandschaft mit Zukunft“ stark machen. RWE wird in die Pflicht genommen, mehr für die betroffenen Bürger für Ort zu tun („… muss RWE Power als Partner der Menschen in der Region agieren, indem es auftretende Probleme schnell und zuverlässig im Sinne der Betroffenen angeht“. Im Gegenzug wird dem „armen“ RWE Unterstützung bei den Emissionsrechten zugesagt: so setzen sich die Unterzeichner dafür ein, dass die Emissionsrechte und die dadurch resultierende Verteuerung der CO2-intensiven Braunkohlenverstromung „die Handlungsfähigkeit der Energieerzeugerunternehmen für längerfristige Investitionen nicht gefährden“ und „neue effizientere Braunkohlenkraftwerke … ebenfalls an den öffentlichen Förderprogrammen partizipieren können“.

 

Am Rande der Veranstaltung konnte man noch einige weitere interessante Details erfahren. So wird die Planung für das weitere Vorgehen im Tagebau Inden, der nach jetziger Planung um 2030 ausgekohlt sein wird, von RWE wohl erst zwischen 2017 und 2020 angegangen, ein Anschluss-Tagebau ist durchaus denkbar. RWE wird auch weiterhin auf einen Energie-Mix setzen, in dem fossile Brennstoffe und Atomkraft dominieren – aus betriebswirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll, schließlich lässt sich hiermit am meisten Geld verdienen und die Folgekosten tragen andere. Weiterhin wird suggeriert, dass durch die CO2-Abscheidung und andere Maßnahmen die Braunkohlenverstromung sauber, gar CO2-frei wird. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass der Mitbewerber Vattenfall sein „CO2-freies Kraftwerk“ im Industriepark Schwarze Pumpe nicht mehr als ebendieses bezeichnen darf, da es eben nicht zu einer 100-prozentigen Abscheidung des anfallenden Kohlendioxid aus dem Kraftwerksprozess kommt und dass das anfallende Kohlendioxid für den sicheren Transport und der anschließender Endlagerung nachbehandelt werden muss.

Ein gut gefülltes Josefsheim
Politiker, Funktionäre und RWE-Auszubildende
Haupt-Rednerin Hannelore Kraft
Arbeitsgruppe mit Landratskandidat Hans Krings (links), Europarat-Kandidat Sebastian Hartmann (mitte) und dem Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram (rechts)

Neue Energie für Elsdorf?

3. Oktober 2008

Im niederländischen Heerlen wurde ein sehr interessantes Pilotprojekt gestartet: mit Grubenwasser wird ein ganzes Viertel geheizt. Das Prinzip klingt einfach: kaltes Wasser wird in die Erde bzw. in die alten Stollen eines Bergwerkes gepumpt, heizt sich durch die Erdwärme auf und wird anschließend, auf die richtige Temperatur gebracht, nach dem Prinzip der Fernwärme in die Häuser geleitet. Die Kosten sind laut Aachener Zeitung nicht höher als mein Heizen mit Gas, die Investitionen in Höhe von fast 16 Millionen Euro wurden unter anderem von Stadt und EU finanziert: 4,3 Millionen Euro zahlte die Kommune, 8,8 Millionen kamen von der EU.

Rund um den Tagebau Hambach wird Grundwasser aus einer Tiefe von gut 450 Metern abgepumpt, damit der Tagebau nicht absäuft. Eine Quelle, wie hoch die Temperatur des Sümpfungswassers ist, liegt nicht vor, man kann aber von mehr als 20 °C ausgehen. Die Sümpfungswasser werden zwar gekühlt, dann aber mit einer immer noch recht hohen Temperatur in die Erft eingeleitet. Der Erftverband nutzt das so erwärmte Erftwasser selbst zum Beheizen eigener Gebäude. Mittels Wärmetauscher und/oder Wärmepumpe sollte es möglich sein, die Wärmeenergie auch für Elsdorf zu nutzen, etwa um öffentliche Gebäude oder neue Siedlungen zu heizen. Da der Tagebau noch bis mindestens 2045 ausgebeutet wird, würde dies eine kostengünstige und von den Gaspreisen unabhängige Energieversorgung für die nächsten Jahrzehnte bedeuten. Bleibt die Frage der Kosten. Für RWE wäre dies ein prestigeträchtiges Image-Projekt, welches die Akzeptanz in der Region sicherlich erhöhen würde und das sich das Unternehmen ein paar Euro kosten lassen sollte. Wenn Zuschüsse und Fördermittel für das Projekt in Heelen gezahlt werden kann auch dieses Projekt förderwürdig sein. Die Kosten für die Gemeinde könnten sich durch langfristige Einsparungen bei den Heizkosten amortisieren.

Panorama Tagebau Hambach

3. April 2008

Panorama Tagebau HambachEndlich gelang es ein verwendbares Panoramabild vom Tagebau Hambach zu erstellen. Die Schwierigkeit bei den Fotos war neben dem Erfassen der großen Ausdehnung des Tagebaus klares Wetter mit guter Sicht zu erwischen und gleichzeitig etwas bedeckten Himmel zu haben, um nicht ins Gegenlicht zu kommen. 

Die einzelnen Fotos wurden am Rechner digital nachbearbeitet und zusammengesetzt. Die Perspektive entspricht ungefähr einem 35mm-Objektiv, daher die starke Krümmung im Vordergrund des Fotos. Diese Einstellung hat aber den Vorteil, dass der Horizont nahezu horizontal verläuft. Leider lässt sich die Höhe der Sophienhöhe (rechts im Bild) dadurch nur noch erahnen.  

Beim Klick auf die Miniaturansicht öffnet sich das Panorama des Braunkohlentagebaus Hambach, fotografiert vom Aussichtspunkt Elsdorf, mit ca. 2500×650 Pixeln und ca. 530 kB. Durch die Größe wird zwar Scrollen erforderlich, die Dimension des Tagebaus erschließt sich so allerdings besser (zum Schließen der Panoramaansicht bei niedrigeren Bildschirmauflösungen bitte die „Esc“-Taste drücken).

RWE’s Power. Oder: Lass dich nicht verarschen…

24. Februar 2008

Mit irreführenden Kampagnen (Zitat aus einer Anzeige: „So leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz – und für die Zukunft der Region“) versucht RWE Power momentan gezielt, die Braunkohle als saubere, gar klimafreundliche Energieform darzustellen und das Image des Unternehmens in der Region aufzuwerten.

BraunkohlenkraftwerkeDie Braunkohlenkraftwerke zählen jedoch nachweislich zu den größten CO2-Verursachern und tragen damit stark zum Klimawandel bei. Bei der Verbrennung von Braunkohle entsteht durch den geringen Brennwert im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen übermäßig viel CO2, sogar mehr as doppelt so viel wie etwa bei der Energiegewinnung durch Erdgas (CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE bei Braunkohle 3,25 t, Steinkohle 2,68 t, Erdöl 2,30 t, Erdgas 1,50 t). Durch die großen Mengen an anderen Schadstoffen, insbesondere Schwefeldioxid, entstehen zusätzliche Belastungen. Durch neue Techniken wird zwar der Wirkungsgrad der Kraftwerke erhöht, sauberer werden die Kraftwerke dadurch allerdings nur in Relation zur bisher erzeugten Strommenge. Wenn aber die Altanlagen wie in Frimmersdorf nicht stillgelegt werden und die Kapazitäten wie in Niederaußem deutlich erhöht werden (allein hier sollen 400.000 Tonnen Braunkohle im Jahr zusätzlich verbrannt werden) ist dies lediglich ökonomisch von Vorteil und nicht wie propagiert ökologisch. Ökologisch würde die Investition in neue Energien deutlich mehr Sinn machen.

Hier werden von RWE Power Nägel mit Köpfen gemacht und die Weichen wieder mal auf Jahrzehnte rein auf Profit und gegen die Umwelt gestellt. Höchste Zeit, dass dieses Verhalten thematisiert wird und zumindest einige SPD-Politiker wie Guido van den Berg („Es müssen nunmehr zuerst die Abschaltungen für BoA I erfolgen. Dafür gibt es keine Ausreden mehr“) oder Hans Krings („…fordert RWE klar auf die Zusagen der Vergangenheit einzuhalten und damit Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen“) sich lautstark zu Wort melden. Ohne Bedingungen sollte man RWE Power keine Genehmigungen mehr erteilen.

RWE Power brüstet sich mit den vielen Milliarden Investitionen, die in das rheinische Braunkohlenrevier fließen und die vielen Arbeitsplätze bei RWE Power und den Zulieferbetrieben. Im Gegensatz zu anderen Industriezweigen hat RWE Power aber gar keine andere Möglichkeit als hier zu investieren – die Braunkohle, mit der sich sehr viel Geld verdienen lässt und der Markt für die erzeugte Energie befinden sich nun mal hier und nicht in Osteuropa oder Asien. Ansonsten würden die Investitionen sicherlich nicht in die Region fließen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden in der Region allein zwischen 1991 und 2002 um 66% verringert, nach Informationen der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich Energiewirtschaft und Wasserversorgung/Bergbau im Rhein-Erft-Kreis zwischen 1980 und 2002 um 50% von 11.200 auf 5.807.

Interessant wären im Gegenzug die Zahlen für den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch die Energiegewinnung durch Braunkohle entsteht, sei es allein auf den Tagebau Hambach und Elsdorf bezogen durch die Belegung riesiger wertvoller Flächen durch den Tagebau, die die Gemeinde Elsdorf ebenso hart trifft wie die Schwächung des Standortes durch abgeschnittene Verkehrswege oder die durch die Nähe des Tagebaus bedingte Abwertung des Siedlungsraumes und die dadurch resultierende negative Bevölkerungsentwicklung oder überregional durch die zukünftigen Schäden durch den durch die Kraftwerke stark forcierten Klimawandel. Da Dinge wie ersteres für RWE Power nicht von Bedeutung sind und für letzteres RWE Power nicht in die Verantwortung genommen wird kann RWE stolz verkünden, dass das Betriebsergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15% auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert werden konnte und ein Nettogewinn von knapp 3 Milliarden Euro erzielt wurde. RWE Power investiert Milliarden in neue Anlagen und ist einer der größten Arbeitgeber in der Region? Sicher, aber nicht aus lauter Nettigkeit, sondern aus strategischen Überlegungen und zur weiteren Gewinnmaximierung, mit Braunkohle lässt sich halt gut verdienen. RWE Power hat für Elsdorf in den letzten Jahrzehnten viel getan und sichert für viele Familien die Existenz – ob die Bilanz für Elsdorf aber mittel- bis langfristig aufgeht ist angesichts der momentanen (Bevölkerungs-)Entwicklung hier in Elsdorf sehr zweifelhaft.

Absetzen!

18. Februar 2008

Im Nordosten der Sophienhöhe können momentan die Absetzer der RWE Power gut aus der Nähe beobachtet werden. Die Vorgehensweise, einen Wall aufzuschütten und hinter diesem zu verkippen, um die Staubbelästigung möglichst gering zu halten, scheint nicht ganz aufzugehen. Kein Wunder, wenn aus solchen Höhen geschüttet wird. In gut 15 Jahren soll auf der Höhe Elsdorfs verkippt werden, hoffentlich wird dann eine verbesserte Technik angewendet. Ansonsten werden es laute und staubige Zeiten für Elsdorf…

Absetzer am Tagebau HambachAbsetzer am Tagebau HambachAbsetzer am Tagebau Hambach

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