Archiv für das Tag 'große Koalition'

Ihr Kinderlein kommet – Teil 2

16. September 2008

Bereits im Dezember letzten Jahres wurde hier im Blog ein ausführlicher Beitrag über das Elterngeld und die daraus resultierenden Umverteilungen veröffentlicht. 

Nun erst, ein dreiviertel Jahr nach Einführung des Elterngeldes, scheinen auch die Wohlfahrtsverbände nachgerechnet zu haben und – aha – gesehen zu haben, dass das Elterngeld sozial ungerecht ist. Je höher das Einkommen des Elternteils, das in Elternzeit geht, umso mehr Elterngeld erhält die Familie. Familien und Alleinerziehende mit einem geringen Einkommen stehen sich deutlich schlechter als beim Erziehungsgeld, ebenfalls Familien mit mehreren Kindern, da die Voraussetzung, um mehr als den Sockelbetrag zu bekommen ist, dass der Elternteil, der nun zu Hause bleibt, vorher berufstätig war, was oftmals u.a. mangels Betreuungsmöglichkeiten nach dem ersten Kind nicht mehr gegeben ist. 

Die aus dem Elterngeld resultierende Ungerechtigkeit ist bei den Politikern in Berlin aber immer noch nicht angekommen oder sogar so gewollt, im Prinzip als „Karnickelprämie“ für Besserverdienende, damit auch Akademiker bereit sind, sich fortzupflanzen. Darauf näher einzugehen, dass für mehr Kinder insbesondere aus „besseren Schichten“ allerdings andere Faktoren, etwa Krippenplätze, flexible Arbeits(zeit)modelle und eine kinderfreundlichere Gesellschaft entscheidender sind, würde hier den Rahmen sprengen und wird sicher an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt noch mal aufgegriffen.

Was die erneute (bzw. erstmalig wirkliche) Diskussion über die einkommensabhängige Verteilung des Elterngeldes bringen wird? Mit viel Glück mehr Gerechtigkeit und mehr Geld für die, die es nötig haben und nicht wie bisher für die Besserverdienenden. Sehr wahrscheinlich ist dies allerdings nicht. Der Sockelbetrag von 300 Euro wird laut Caren Marks, Sprecherin der Arbeitsgruppe Familie in der SPD-Bundestagsfraktion, jedenfalls nicht angehoben werden.

Ihr Kinderlein kommet

26. Dezember 2007

Das neue Elterngeld wird von den Bundespolitikern der großen Koalition, wie jetzt zu Weihnachten wieder von Frau Merkel, unisono als großer Wurf und maßgeblicher Erfolg der großen Koalition verkauft. Doch was steckt wirklich dahinter? Ein Vergleich zwischen dem Elterngeld und dem bis Ende 2006 geltenden Erziehungsgeld zeigt, dass die neue Regelung viele Eltern keineswegs besser stellt, sondern unsozial und ungerecht ist. Bei dem Erziehungsgeld galt: wenn jemand bedürftig ist, bekommt er mehr, die Leistung wird länger gezahlt. Bei einem Familieneinkommen von unter 16.500 Euro und weiteren 3.140 Euro je bereits vorhandenen Kind wurden 2 Jahre lang monatlich 300 Euro gezahlt, summa summarum 7.200 Euro, bei einem Einkommen von über 30.000 Euro nichts. Das Elterngeld wird für 12 Monate (max. 14 Monate) in Höhe von 67% des letzten Monatseinkommens gezahlt, mindestens 300 Euro, die Höchstgrenze liegt bei 1.800 Euro pro Monat. Wie sieht das an konkreten Beispielen aus?

  • Beispiel 1:
    Vater Post-Zusteller, bezahlt nach dem neuen Mindestlohn in Höhe von 9,80 Euro (West), Mutter Hausfrau, bereits 1 Kind, Jahres-Familieneinkommen 19.000 Euro.  
    Erziehungsgeld: 7.200 Euro
    Elterngeld: 3.600 Euro
    (12 Monate)
    Differenz: -3.600 Euro

Beim Elterngeld gibt es nur eine hohe Förderung, wenn mindestens eines der Elternteile bis zur Geburt gut verdient und dieses dann für ein Jahr zu Hause bleibt. In der Realität sind viele Familien dadurch spätestens beim zweiten oder weiteren Kindern schlechter gestellt, da in der Regel ein Elternteil zwischen dem 1. und den weiteren Kindern mangels Kinderbetreuungsplätzen nicht oder nur eingeschränkt arbeiten geht. Die Familie kann dann nur den Mindestsatz von 300 Euro/Monat für ein Jahr erwarten.

  • Beispiel 2:
    Vater Hilfsarbeiter, Mutter Friseurin (Teilzeit auf 400 Euro-Basis), Jahres- Familieneinkommen 16.000 Euro. Die Eltern bekommen Zwillinge.
    Erziehungsgeld: 14.400 Euro
    Elterngeld: 4.200 Euro
    (14 Monate, wenn beide Elternteile das Kind betreuen)
    Differenz: -10.200 Euro

Das Erziehungsgeld wurde je Kind gezahlt, das Elterngeld dagegen nur je „Wurf“.

  • Beispiel 3:
    Vater Entwicklungsleiter, Mutter Unternehmensberaterin (Monatseinkommen 4.000 Euro), Jahres-Familieneinkommen 120.000 Euro.
    Erziehungsgeld: 0 Euro (Einkommenshöchstgrenze überschritten)
    Elterngeld: 21.600 Euro (12 Monate Höchstsatz)
    Differenz: +21.600 Euro

Familien, denen es finanziell  sowieso schon gut geht, werden durch das Elterngeld deutlich besser gestellt, ärmere Familien dagegen haben hohe Einbußen. Ist das sozial und gerecht, liebe Politiker? Ist das eine Reform, auf die man wirklich stolz sein kann???