Archiv für das Tag 'Freizeit'

Die Jugend von heute…

14. Februar 2008

Elsdorf ist kinderfreundlich. Es gibt viele Spielplätze, ein ausreichendes Angebot an Kindergärtenplätzen für ab 3-Jährige (das Angebot für 2-Jährige ist noch unzureichend, wird aber weiter ausgebaut), zahlreiche Krabbel- und Spielgruppen etwa von den Kirchen, der AWO und der ASG. Kinder können sich hier wirklich wohl fühlen.

Doch spätestens wenn die Kinder das Grundschulalter erreichen sind diese für Viele nicht mehr die „lieben Kleinen“ sondern werden oftmals als störend, (vor-)laut und frech empfunden. Spätestens mit dem Erreichen der Pubertät ist es dann in den Augen vieler Älterer ganz vorbei: die Jugend ist verzogen, verdorben und wird oftmals als Bedrohung empfunden, insbesondere wenn es sich gleich um mehrere Jugendliche handelt, im schlimmsten Fall gar mit Migrationshintergrund. Es kommt zur Ab- und Ausgrenzung.

Entsprechend begrenzt sind in Elsdorf die Freizeitangebote speziell für Jugendliche: Angebote von Seiten der Gemeinde gibt es keine, die Jugendtreffs der Katholischen Kirche (von der Gemeinde subventioniert) und des Freizeitvereins Berrendorf sprechen ebenso wie die Sport- und Schützenvereine nur bestimmte Zielgruppen an.

Anstatt neue Angebote zu schaffen reagierte die Gemeinde mit einem Wach- und Ordnungsdienst. Die Bilanz des Ordnungsdienstes in Elsdorf für die ersten drei Monate liegt nun vor. Auf 428 Kontrollgängen wurden 278 Feststellungen getroffen: 46 mündliche Verwarnungen unter Feststellung der Personalien, 5 Bußgeldverfahren, 8 Platzverweise gegen laute Jugendliche, 3 mal wurden Ansammlungen von Jugendlichen aufgelöst, 36 „Sonstige Fälle“, in denen unter anderem Jugendliche dazu bewegt wurden, Müll zu beseitigen, und noch einiges mehr. Diese Ergebnisse werden vom Rat als Erfolg angesehen – sehr fragwürdig, da es sich um eigene Angaben des Ordnungsdienstes handelt und das Signal gesetzt wird, je mehr Ereignisse erfasst werden umso besser ist die Arbeit, was schon fast eine Aufforderung zu Willkür und Repressalien ist. Die Konsequenz von Ausschuss und Verwaltung: der Ordnungsdienst wird aufgestockt, nun sollen zwei Doppelstreifen durch Elsdorf ziehen und für Sicherheit und Ordnung sorgen. Die hierfür präferierten Personen zeichnen sich durch umfangreiche Erfahrung im Wachdienst aus, die soziale Kompetenz scheint keine Rolle zu spielen. Ein von den Grünen zum wiederholten Male geforderter Streetworker ist dagegen für die Gemeinde nicht finanzierbar – kein Wunder, wenn nun 30.000 Euro jährlich in die „schwarzen Sheriffs“ investiert werden.

Statt neue Angebote zu schaffen vertreten die meisten Ratsmitglieder die oben geschilderten Auffassungen, was nicht verwundert bei einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren. Mit Sätzen wie „Wir müssen Präsenz zeigen, um der Jugend Grenzen aufzuzeigen“ und „Sollen wir für 20 Rowdys Steuergelder ausgeben?“ werden Ratsmitglieder hierzu in der heutigen Kölnischen Rundschau zitiert.

Auch der Zaun um das Schulzentrum Angelsdorf wird als Erfolg gefeiert. Nun sollen auch die Grundschulen im Gemeindegebiet mit mannshohen Sicherheitszäunen eingefasst werden. Dass durch die Einzäunung des Schulzentrums Angelsdorf einer der letzten frei zugänglichen Fußballplätze und Freizeitbereiche für Jugendliche in seiner Nutzung stark eingeschränkt wurde spielt für Verwaltung und Ratsmehrheit keine Rolle, ebenfalls nicht dass die zum Teil auftretenden Probleme (etwa Vandalismus und Lärm) nur verlagert werden. Aber dafür ist ja nun der Ordnungsdienst da.

Der Zaun um das Schulzentrum Angelsdorf