Rhein-Erft-Kreis

Elektroautos – die große Verarsche! Oder etwa nicht???

17. März 2021

Über vieles wird gerne und intensiv diskutiert, einige Themen sind dabei besonders emotionsgeladen, etwa der richtige Umgang mit Corona oder der Klimawandel. Gegner und Befürworter stehen sich sich scheinbar unvermittelbar gegenüber, Gerne werden Stammtischparolen Informationen aus fragwürdigen Quellen, gerade in den sozialen Netzwerken, übernommen, da sie der eigenen Sichtweise nahe kommen und diese zugleich manifestieren. Gleiches gilt für Elektroautos, zu denen anscheinend ebenfalls jede/r eine Meinung hat. Auf Facebook etc. finden sich hunderte Bildchen und Beiträge mit polarisierenden und provozierenden Sprüchen und dem offensichtlichen Ziel, Elektroautos und deren Nutzer (natürlich DIE GRÜNEN!1!!) zu diskreditieren. Gerne werden Studien zu der schlechten CO2-Bilanz herangezogen, auf die negativen Auswirkungen des Kobalt- und Lithiumabbaus hingewiesen, die fehlende Praxistauglichkeit herausgestellt und auf viel bessere Alternativen, etwa Wasserstoff, verwiesen. Doch wie sieht es tatsächlich aus? Welche Argumente für und gegen Elektroautos sind wirklich haltbar?

Die Flut an Presseartikeln, Untersuchungen und Gutachten zu diesem Thema ist kaum überschaubar, als aufschlussreich und recht umfassend hat sich eine Studie des Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ifeu aus dem Jahr 2016 gezeigt (Weiterentwicklung und vertiefte Analyse der Umweltbilanz von Elektrofahrzeugen), auch die Informationsbroschüre des Umweltbundeamtes zu diesem Thema ist lesenswert (Wie umweltfreundlich sind Elektroautos? Eine ganzheitliche Bilanz), An letzterer orientiert sich auch grob die folgende Auflistung.


Wie klima- und umweltfreundlich sind Elektroautos?

Der Klimawandel wird hauptsächlich durch die Freisetzung von CO2 als klimaschädliches Treibhausgas bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, hier Benzin oder Diesel, verursacht (wer dies in Frage stellt braucht gar nicht weiterlesen, da Argumente und Fakten dann auch nicht mehr helfen!). Durch Elektroautos soll weniger CO2 freigesetzt werden als bei der Nutzung von konventionell angetriebenen Fahrzeugen. In einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2017 wurde dies gegenteilig dargestellt: durch die energieintensive Herstellung der Fahrzeugbatterie sei die CO2-Bilanz eines Elektroautos auf die Nutzungszeit des Fahrzeugs gesehen schlechter als die eines Verbrenners. Doch diese Studie wurde falsch interpretiert (Elektroauto-Akkus: So entstand der Mythos von 17 Tonnen CO2) und hatte methodische Fehler, sodass diese von den Verfassern selbst 2019 revidiert wurde (Schwedische Forscher korrigieren sich: Elektroautos sind viel umweltfreundlicher als angenommen). Beim heutigen Energiemix, der nach wie vor einen hohen Anteil klimaschädlichen Kohlestrom beinhaltet, ist die CO2-Bilanz von Elektroautos deutlich besser als die von Benzinern und gleichauf mit der von modernen Dieselfahrzeugen. Bei Berücksichtigung des voraussichtlichen Energiemix im Jahr 2030 (Kohleausstieg!) wird die Klimabilanz der E-Autos zukünftig deutlich besser sein, je nach getanktem Strom (Ökostrom oder Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage) ist sie es bereits schon jetzt. Diese Fakten lassen sich allerdings durch Änderung der Parameter auch falsch darstellen, wie ab und an auf Bildchen in den sozialen Medien zu lesen ist: nimmt man bei der Berechnung der CO2-Erzeugung statt der gleichen Fahrzeuggröße/Fahrzeugklasse die gleiche (theoretische) Reichweite als Auswahlkriterium, schneidet das E-Auto deutlich schlechter ab, wie folgendes Beispiel zeigt: die Reichweite eines Diesel-PKW beträgt rund 1.000 km, das entspricht der doppelten Reichweite eines guten E-Autos, etwa eines Tesla 3. Damit der Tesla 1.000 km schafft, brächte er die doppelte Batteriegröße, womit auch die doppelte Menge an Emissionen und der doppelte Bedarf an Ressourcen anfallen würde – die Werte des E-Autos wären deutlich schlechter als die des Verbrenners. Allerdings nur in diesem manipulierten Modell!

Neben CO2 setzten Kraftfahrzeuge noch weitere Schadstoffe frei, primär Stickoxide (NOx) und Feinstaub. Die Emission von Stickoxiden bei E-Autos ist bei der Fahrt NULL, doch fallen bei der Produktion und bei der aktuellen Stromerzeugung (Strommix) mehr Stickoxide an. Insgesamt jedoch ist die NOx-Bilanz bei E-Autos besser als bei Verbrennern (Luftschadstoffe und Lärm: Mehr Elektroautos – mehr Lebensqualität?). Beim Feinstaub ist die Situation nicht immer eindeutig: da der Produktionsprozess bei E-Autos aufwändiger ist, fällt dabei etwas mehr Feinstaub an und durch das höhere Gewicht ist der Reifenabrieb höher, wodurch ebenfalls Feinstaub freigesetzt wird (OECD-Studie: Feinstaubalarm für E-Autos). Dagegen dürfte die Feinstauberzeugung durch das Bremsen aufgrund der Rekuperation (Energierückgewinnung durch den Elektromotor) bei E-Autos geringer sein als bei Verbrennern, bei denen die Bremsscheiben stärker abgenutzt werden, wodurch Feinstaub entsteht.

Doch auch bei der Produktion entstehen Umweltschäden, die zu berücksichtigen sind, Hier führten insbesondere die Gewinnung von Kobalt (Kobalt aus dem Kongo: Der Makel der E-Mobilität), Lithium (Lithium-Abbau in Südamerika – Kehrseite der Energiewende) und Seltenen Erden (u.a. aus China) zu teils berechtigter Kritik – nicht nur wegen der Umweltzerstörung, sondern auch wegen der teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Dass an ressourcenschonenden Batterien gearbeitet wird (Kobaltfreie Batterien für nachhaltige Elektromobilität), Recyclingkreisläufe entwickelt werden (Elektroauto-Akkus: Wie das Recycling funktioniert) und Arbeitsbedingungen allmählich in den Fokus kommen (Volkswagen setzt sich für verbesserte Arbeitsbedingungen im Kleinstbergbau von Kobalt im Kongo ein) ist zumindest ein Anfang. Gerne wird es allerdings so dargestellt, als wäre nur bei Elektroautos die Produktion und der Betrieb problematisch: auch bei Verbrennern werden für die Produktion Ressourcen benötigt, zudem ist die Gewinnung von Erdöl sicher eines der dreckigsten Geschäfte – im wahrsten Sinne des Wortes (Ölkatastrophe im Nigerdelta; Ölpest im Golf von Mexiko 2010, …). Über den sehr hohen Wasserverbrauch für die Gewinnung von Lithium wurde viel diskutiert, auch hierzu werden Bildchen tausendfach auf Facebook etc. geteilt. Allerdings handelt es sich auch hierbei ziemlich offensichtlich um Stimmungsmache und Framing, wie die Kollegen des Portals „Volksverpetzer“ ausführlich darlegen (Faktencheck Wasserverbrauch: So “verarscht” dich dieses Bild über E-Autos). Ähnlich verhält es sich mit den gerne geteilten Bildern über die Kinderarbeit zur Kobaltgewinnung im Kongo, zu dem mimikama.at und Das Korrektiv Faktenchecks gemacht haben (Faktencheck: Kinderarbeit „damit SIE ein Elektroauto fahren können“; „Das ist Kanku“: Diese falsche Geschichte eines Jungen aus dem Kongo soll Stimmung gegen Elektroautos erzeugen).

Unterm Strich lässt sich sagen, dass es tatsächlich Defizite bei der Beschaffung der Ressourcen für Elektroautos gibt, bei weitem aber nicht in der Größenordnung wie gerne kolportiert und nicht nur bei der Ressourcengewinnung für Elektroautos, sondern auch für DEIN Handy oder DEIN Verbrenner-Auto. Dennoch ist zu hoffen, dass diese weiter minimiert bzw. behoben werden. Die ökologischen Vorteile der Elektroautos, insbesondere wenn der Strom aus regenerativen Energien stammt, überwiegen schon heute deutlich.


Wie praxistauglich sind Elektroautos?

Ganz klar: ein E-Auto passt nicht zu jedem. Wer etwa öfters auf längeren Strecken einen Wohnwagen oder Anhänger zieht wird mit einem E-Auto wenig Spaß haben, da die Reichweite dann doch arg in die Knie geht und die Ladesäulen mit Hänger kaum anzufahren sind. Aber ansonsten? Da kann (fast) jeder auf ein E-Auto umsteigen. Denn E-Autos gibt es nämlich mittlerweile in fast allen Größen, vom Kleinstwagen (z.B. Smart EQ, VW E-Up!) über Sportwagen wie den Porsche Taycan bis bin zum familientauglichen SUV (Audi e-tron) oder Familien-Van (Mercedes EQV). Auch E-Transporter bzw. E-Lieferwagen gibt es, etwa den Opel Vivaro-E. Die Reichweiten liegen je nach Modell zwischen (sehr niedrigen!) 150 km beim als Stadtauto konzipierten Smart EQ bis hin zu 400 bis 500 km bei den gängigen Mittel- und Oberklassefahrzeugen. Die umliegenden Städte Köln, Aachen, Mönchengladbach, Düsseldorf sind alle im Umkreis von max. 60 km und lassen sich so sogar mit einem einfachen, relativ günstigen Elektroauto problemlos erreichen, gleiches gilt für die meisten Arbeitsplätze und die typischen Ziele im Nahbereich (Schule/Kitas, Supermärkte, Sport, Freunde, etc,.). Wenn man nicht gerade im Außendienst tätig ist sind längere Strecken eher selten, auch Urlaubsfahrten sind zwar einzuplanen, aber je nach Entfernung auch mit dem E-Auto ohne Ladestopp oder mit nur wenigen schaffbar, so lässt sich mit einem typischen Mittelklasse-Elektroauto wie dem Hyundai Kona die holländische Küste von hier aus problemlos ohne Zwischenstopp erreichen. Öffentliche Ladestationen findet man mittlerweile tausende in ganz Europa, sodass auch „Tankstopps“ recht einfach, wenn auch aufgrund der Ladezeit etwas zeitaufwändiger als bei Verbrennern (meist rund 1 Stunde von 10 % auf 80% der Batteriekapazität, was je nach Fahrzeug weitere 120 bis 400 km Reichweite bedeutet), möglich sind. Zahlreiche Reiseberichte mit E-Autos etwa nach Sardinien oder Portugal zeigen dies eindrucksvoll.

Doch es gibt auch Nachteile: bei kalten Temperaturen sinkt die Reichweite und (je nach Fahrzeug) die Ladeleistung, zusätzliche elektrische Verbraucher wie die Heizung verbrauchen weiteren Strom – allerdings wird auch hierbei gerne übertrieben, der Stromverbrauch der Heizung beträgt zwar rund 2-3 kWh, im Stau reicht dies bei halbwegs geladenem Akku dennoch für einige Stunden Wärme, ohne dass dem E-Auto die Leistung ausgeht (Elektroautos im Winter: Reichweitenverlust verringern).

Und wie wird „getankt“? Außensteckdosen oder Strom in der Garage haben die meisten Häuser – mehr braucht man mit dem passenden Anschlusskabel meist nicht, um ein E-Auto zu laden, schließlich steht das Auto die meiste Zeit zuhause und es gibt somit ausreichend Zeit zum Laden, auch wenn langsam geladen wird! Komfortablere und schnellere Wallboxen lassen sich leicht nachrüsten und werden zurzeit von der KfW mit 900 Euro gefördert (Ladestationen für Elektroautos – Wohngebäude), zudem bieten mehr und mehr Arbeitgeber Lademöglichkeiten. So muss man eigentlich nur bei längeren Fahrten auf die öffentliche Ladeinfrastruktur zurückgreifen, oder man nutzt diese „nebenbei“ beim Einkaufen, etwa im Kaufland in Bergheim, wo es im Parkhaus kostenfreie E-Ladesäulen gibt.


Was kostet der Spaß?

Aktuell sind E-Autos in der Anschaffung einige tausend Euro teurer als vergleichbare Verbrenner. Durch die finanzielle Förderung der E-Mobilität durch Hersteller und BAFA reduziert sich der Anschaffungspreis für E-Autos um 9.000 Euro (BAFA), wodurch diese in der Anschaffung je nach Modell und Angebot bereits günstiger sind als vergleichbare Verbrenner. Besonders deutlich zeigt sich dies zurzeit beim Leasing, da die 9.000 Euro Förderung bei einigen Anbietern in die Leasingzahlungen der ersten 2 Jahre mit einfließen und so E-Autos teils für unter 100 Euro/Monat geleast werden können. Aber auch unabhängig von der Förderung sind Preissenkungen bei E-Autos abzusehen, da durch optimierte (Baukasten-)Systeme und Neuentwicklungen etwa bei den Batterien die Produktionskosten sinken werden (Volkswagen Power Day: Investitionen in noch mehr Batteriezellen).

Die laufenden Kosten bei E-Autos liegen schon jetzt deutlich unter denen der Verbrenner: selbst bei den aktuell hohen Stromkosten sind diese auf den Kilometer gerechnet günstiger als Benzin oder Diesel, was auch am höheren Wirkungsgrad des Elektromotors liegt. Beispiel: bei einem typischen Verbrauch von 17,5 kWh Strom/100 km zahlt man beim Strompreis von 0,30 Euro/kWh für 100 km 5,10 Euro, bei 6L Benzin/100 km bei einem Literpreis von 1,19 Euro 7,14 Euro/100 km, also rund 2 Euro mehr. Zudem fallen Dank weniger Verschleißteile geringere Wartungs- und Reparaturkosten an. Hinzu kommt, dass E-Autos bis 2030 von der KFZ-Steuer befreit sind.

Bei der Neuanschaffung eines Fahrzeugs sollte man sich also schon allein aus finanzieller Sicht mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen, da ein E-Auto bereits heute unterm Strich deutlich günstiger sein kann als ein vergleichbarer Verbrenner.


Und wie sieht’s aus in Elsdorf?

Fakt ist, dass viele Kommunen, auch Elsdorf, nicht auf Elektromobilität eingestellt sind. Die Elsdorfer Verwaltung verfügt(e) über ein Elektrofahrzeug (BMW i2) zur mobilen Verkehrsraumüberwachung, die einzigen beiden öffentlichen Ladesäuen auf Stadtgebiet befinden sich am Tagebau-WerbeInformationszentrum Forum Terra Nova. Am Rathaus gibt es lediglich eine öffentliche Handy-Ladestation (kein Scherz). Für eine Energieregion und Kommune mit dem großen Partner RWE an der Seite erwartet man da eigentlich mehr. Andere Städte sind da deutlich weiter, mit nur 2 Ladesäulen bei rund 22.000 Einwohnern ist Elsdorf weit abgehängt, Spitzenreiter in Deutschland ist Regensburg mit einer Ladesäule je 697 Einwohner (In welcher Stadt gibt es die meisten Ladesäulen?). Dabei gibt es bereits E-Autos in Elsdorf, dem geneigten Verkehrsteilnehmer werden neben Hybrid-Fahrzeugen eine wachsende Zahl an Hyundai Konas, E-Smarts, Teslas, VW E-UPs, Nissan Leafs etc. aufgefallen sein. Für die Immobilienbesitzer ist zudem die Kombination mit einer Photovoltaikanlage interessant, mehr dazu in einem späteren Beitrag,

Großgerätetransport Absetzer 756

22. August 2009

Der Absetzer 756 ist in diesen Tagen mitsamt Bandschleifenwagen unterwegs vom Tagebau Bergheim zum Tagebau Hambach. Hier nun Bilder von der Straßenquerung in Glesch und noch einmal der Zeitplan des spektakulären Großgerätetransports.

Großgerätetransport Absetzer 756 Großgerätetransport Absetzer 756 Großgerätetransport Absetzer 756
Großgerätetransport Absetzer 756 Großgerätetransport Absetzer 756
(Leider funktioniert die Galerie nicht mehr richtig, Großansichten sind daher nur einzeln möglich. Sorry…)

 

  Terminplan Großgerätetransport Absetzer 756 km
von bis
1. Transportabschnitt
05.06.09 Transport vom Tagebau bis vor die Hambachbahn 0.0 1.2
06.06.09 über Hambachbahn, B477, und 380kV Leitung 1.2 2.5
07.06.09 Fahrt bis zum Fernbandeinschnitt F24 2.5 4.9
10.06.09 Verkippung Fernbandeinschnitt Glesch bis zum 14.08.09    
2. Transportabschnitt
20.08.09 Transport bis vor die L361n 0.0 1.4
21.08.09 über L361n, Erft bis vor K 19 1.4 2.1
22.08.09 über K 19, DB Neuss-Horrem bis vor Elsdorfer Fließ 2.1 3.5
24.08.09 Kein Transport / Resttransport bis vor die A61 3.5 4.0
29.08.09 über A61, 110 kV, 20 kV bis vor ehemalige Bahntrasse 4.0 5.0
30.08.09 über ehemalige Bahntrasse, Escher Fließ, 20 kV bis Fernbandeinschnitt 5.0 6.8
31.08.09 über Fernbandtrasse, 15 kV Leitung und L277 6.8 8.0
01.09.09 Transport bis vor die B55 8.0 9.2
02.09.09 über B 55, 15 kV Leitung, L 278 und Kabel 9.2 10.4
03.09.09 über Finkelbachleitung bis vor die 220 kV Leitung 10.4 11.3
04.09.09 durch 220 kV Leitung bis zur Einfahrt Tagebau Hambach 11.3 12.3

Europawahl-Ergebnis in Elsdorf

8. Juni 2009

  CDU SPD Grüne FDP Linke Sonst. Wahlbet.
Deutschland 37,8 20,8 12,1 11 7,5 10,8 43,3
NRW 38 25,6 12,5 12,3 4,6 7 41,8
Rhein-Erft-Kreis 38,2 25,4 11,5 14,3 4 6,6 43,8
Gemeinde Elsdorf 40,7 26,1 7,5 14,8 3,5 7,4 37,4
Angelsdorf 42,1 22,9 7,6 18,9 2,4 6,1 31,5
Berrendorf 38,5 30,4 7,4 14,2 3,6 5,9 28,2
Elsdorf 40,7 29,4 8 11,6 3,9 6,4 27,2
Esch 34,5 28,2 11,1 15,7 3,1 7,4 31,3
Giesendorf 37,8 29,4 8 13 2,5 9,3 25,8
Grouven 45,8 21,5 7,6 8,3 7,6 9,2 27,9
Heppendorf 42,2 23,4 9,6 15,6 3,5 5,7 33
Niederembt 45 25 5,9 14,5 2,8 6,8 31,8
Oberembt 43,1 25,4 7,8 13,4 4,7 5,6 28,9
               
Elsdorf 2004 48 26 8,2 9,3 1,3 7,1 36,4
+/- – 7,34 + 0,1 – 0,7 + 5,5 + 2,2 + 0,3 + 1

 

Die CDU hat in Elsdorf alle Wahlkreise für sich entschieden, im ganzen Rhein-Erft-Kreis hat in allen Kommunen ebenfalls die CDU die Mehrheit geholt.

Quellen: KDVZ, Spiegel online; Alle Angaben in %, Tippfehler nicht ausgeschlossen!

Kaum Energie aus Elsdorf

3. Oktober 2008

Gerne wird im „Energiekreis“ Rhein-Erft die Kompetenz in Sachen Energie betont, in Projekten wie terra nova werden große Pläne einer „Zukunfts-Landschaft für Energie“ geschmiedet. Ziel sei „gemeinsam mit Industrie und Landwirtschaft neue Wege der Energiegewinnung zu gehen und neue Märkte zu erschließen“. Auch durch Kirchturmdenken und Verwaltungsmentalität ist eine zeitnahe Realisierung des interkommunalen Gewerbegebietes im Norden Elsdorfs (eine Skizze dazu gibt’s hier), in dem dieser „interkommunale Kompetenzraum für Energie“ entstehen soll, wohl eher unwahrscheinlich.

Während auf Verwaltungsebene im Rahmen von terra nova von einer „energiereichen“ Zukunft geträumt wird, werden die Entscheidungen woanders längst getroffen. Die geplante „Fachhochschule für Technologie, Energie und Chemie Rheinland“ hätte wohl jeder gerne in der Region gesehen, es erfolgte eine Absage für den „Energiekreis“. Nach dem Biogas-Pilotprojet in Neurath plant RWE für gut 10 Millionen Euro am Rande des Gewerbeparks Bergheim südlich von Paffendorf eine weitere Biogasanlage zu errichten. Die Angaben zur verwendeten Menge an Mais und Getreide schwanken zwischen 25.000 und 45.000 Tonnen jährlich, die Angaben zur erzeugten Menge Biogas variieren ebenfalls, und zwar zwischen 10.000 m³ am Tag und 600 m³ in der Stunde (entspricht ca. 14.400 m³ am Tag). Gerne wird dieses Projekt zu terra nova gerechnet, de facto laufen die Planungen aber zwischen RWE und der Stadt Bergheim. 

Wer nun denkt dass dies ein großer Wurf für den westlichen Erftkreis ist sollte mal nach Jülich schauen, wo Pfeifer & Langen, Mutterkonzern der Zuckerfabrik Jülich AG, ebenfalls eine Biogasanlage errichten wird. Geplant ist anfangs eine Leistung von 1.000 m³ Biogas in der Stunde, die später auf 8.000 m³ in der Stunde (!) ausgebaut werden soll. Die neue Anlage soll direkt neben der Zuckerfabrik errichtet werden. Mit 1,4 bis 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben je Kampagne steht mehr als die 30fache Menge an Biomasse zur Verfügung als in Bergheim. Ob der Bau aus den von der EU gezahlten Stilllegung- und Rückbauprämien für die Zuckerfabrik Elsdorf (man hört von bis zu 20 Millionen Euro), die in den nächsten Monaten größtenteils demontiert wird, oder gemeinsam mit RWE finanziert wird ist gleich, ein fader Beigeschmack für Elsdorf bleibt. Hatte der geplante Bau einer Biogasanlage bereits eine Rolle bei der Entscheidung von Pfeifer und Langen, die Rübenverarbeitung und Produktion ausgerechnet im Stammwerk in Elsdorf zu schließen, gespielt? Eine Erweiterung der Zuckerfabrik Elsdorf mit einer Biogasanlage wäre durch den nahen Tagebau (wie nah der Tagebau ist sieht man gut auf einem Luftbild der Kölnischen Rundschau) und die den Tagebau umgebende Sicherheitszone, in der keine Gebäude errichtet werden dürfen, wohl nicht so einfach möglich gewesen. 

Bei den (Groß-)Projekten geht Elsdorf ebenso wie bei der Ansiedlung neuer Unternehmen meist leer aus. Der Grund hierfür ist naheliegend: die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Die Fehler wurden aber nicht in den letzten Jahren, sondern bereits in den letzten Jahrzehnten gemacht. Zu wenig wurde in das wirtschaftliche Wachstum Elsdorfs investiert, zu lange hat man sich allein auf RWE und Pfeifer & Langen verlassen. Höchste Zeit, schnell an der Umsetzung des interkommunalen Gewerbegebietes, an der Ausweisung und Vermarktung neuer Gewerbeflächen und an der Attraktivität Elsdorfs als Wirtschaftsstandort zu arbeiten.

Wer hat Angst vorm Indemann?

9. März 2008

Der Indemann (Quelle: Wikipedia / Maurer United Architects [MUA])Genau zwischen Elsdorf und Aachen ist eine neue Landschaft am entstehen: das Indeland. Diese Region wird durch Naherhohlungs- und Freizeitgebiete und die Schaffung entsprechender Infrastruktur landschaftlich und kulturell aufgewertet. In das Projekt sind der Blausteinsee, der Fluß Inde und der Tagebau Inden einbezogen, zudem der Brückenkopfpark in Jülich und der Römerpark in Aldenhoven. Ermöglicht wird dieses im wesentlichen durch die EuRegionale 2008 und durch eine gute Zusammenarbeit mit RWE Power, die die Gegend durch den Braunkohlenabbau prägte. 

Die Macher haben sich einiges vorgenommen:

  • Aussichtsturm Indemann auf der Goltsteinkuppe in Inden mit Gastronomie
  • Tagebauaussichtspunkte mit kleinen Indemännern südlich und nördlich des Tagebauloches in Inden
  • Erster Ausbaustufe Funsport-Aktiv-Freizeithalde auf und Sportpark Inden am Fuß der Goltsteinkuppe in Inden
  • Seebühne, Se(e)hfenster und Seetribüne am Blausteinsee in Eschweiler
  • Erste Ausbaustufe Seezentrum am Blausteinsee
  • Eingangstor, Sanierung Römerpark inkl. Renaturierung Merzbach, Uferkante und GrünZUG in Aldenhoven
  • Ausbau Brückenkopf-Park, Zeltplatz und Wohnmobilstellplatz in Jülich
  • Illumination von Tagebaubereichen 
  • Wegenetz für Naherholung
  • Feste, Aktionen und Events in und rund um indeland herum

Blausteinsee (Quelle: EuRegionale 2008 Agentur GmbH)Der Blausteinsee ist bereits jetzt ein hochwertiges Naherholungsgebiet mit einem großen Freizeitwert. So sind Tauchen, Segeln, Surfen, Kanu / Boot fahren, Skaten, Radfahren, Wandern und Schwimmen auf dem Gelände des ehemaligen Tagebaus möglich. Der wegen des Tagebaus Inden verlegte Fluß Inde wurde als Auenlandschaft naturnah zum Naherhohlungsgebiet ausgebaut (.pdf von RWE Power). Nach Informationen der Kölnischen Rundschau wird der 48 Meter hohe und 7,5 Millionen Euro teure Aussichtstum „Indemann“ bereits in diesem Herbst errichtet sein, die Eröffnung ist für Mitte nächsten Jahres geplant. Neben einer Aussichtsplattform im Arm des Indemanns sind unter anderem Gastronomie- und Tagungsräume vorgesehen. Von hier aus wird ein weiter Blick über die Region und den Tagebau Inden möglich sein, zudem wird das Bauwerk „künftig Wahrzeichen der sich verändernden Landschaft im Braunkohlentagebau Inden“ sein. Sehr interessant ist das Konzept mit den beiden „kleinen Brüdern“ des Indemanns, die als Aussichtspunkte am Bandsammelpunkt bzw. am gegenüberliegenden Rand mobil oberhalb der Abbausohle des Tagebaus eingesetzt werden. Der Tagebau Inden soll nach der Auskohlung zum „Indeschen Ozean“ werden – statt Agrar-Monokulturen soll hier ein See von der Größe des Tegernsees entstehen, der ab 2060 die Landschaft noch attraktiver macht. Dies wird vom Nachbarn, dem Rhein-Erft-Kreis, mit Skepsis beobachtet, schließlich befürchtet man hier eine Konkurrenz für den voraussichtlich erst 40 Jahre später gefluteten Hambacher See und einen landwirtschafltichen Flächendruck.

Die Verantwortlichen im Kreis Düren haben die Bedeutung dieses wichtigen Projektes richtig erkannt und bezeichnen es zurecht als Jahrhunderprojekt und „Eine Chance, die wir nutzen müssen“. Das Konzept wird sich auch wirtschaftlich rechnen: ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld in Kombination mit hoch qualifizierten Arbeitskräften aus den nahen Bildungsstandorten Aachen (RWTH ) und Jülich (Forschungszentrum) und einer guten Verkehrsanbindung sind ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von (High-Tech-)Unternehmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Ähnliche Möglichkeiten bieten sich im nördlichen Rhein-Erft-Kreis durch die Regionale 2010 mit dem Projekt terra nova und Kooperationen mit RWE Power. Hoffentlich wird dies auch hier im Kreis bzw. in den an terra nova beteiligten Kommunen Bedburg, Bergheim und Elsdorf von den Verantwortlichen ebenfalls als „Eine Chance, die wir nutzen müssen“ gesehen.

Nächste Einträge »