Monatsarchiv für Juni 2008

Von Rumpelfußball und Legionären

30. Juni 2008

So, das war’s. Die EM ist vorbei, Deutschland ist nicht Europameister. Die nervigen Autokorsos blieben uns letzte Nacht erspart, die Deutschland-Fähnchen können jetzt wieder verschwinden. Auftritte und Kommentare von unserer volksnahen Bundeskanzlerin Merkel bei Sportveranstaltungen wird es nun Gott sei Dank zumindest bis zur Olympiade nicht geben. Fussballfans werden ab sofort wieder von der Mehrheit der Deutschen als Exoten, Außenseiter und Proleten gesehen – bis zur WM 2010, denn dann ist man ja selbst wieder einer.

Sportlich lässt sich die EM mit der abgelaufenen Saison des 1. Fc Köln vergleichen: mies gespielt, irgendwie durchgewurschtelt, am Ende dann doch noch einigermaßen versöhnlich abgeschlossen. In der Gruppenphase war nur das Spiel gegen Polen überzeugend, die Niederlage gegen Kroatien ging absolut in Ordnung, das Gekicke gegen Österreich war nicht einmal Mittelmaß. Der Sieg gegen Portugal war erspielt, der im Halbfinale gegen die Türkei schmeichelhaft. Insbesondere im Finale erwies sich Ballack mal wieder als Stänkerer – selbst bis zu ihm sollte sich rumgesprochen haben, dass Schiedsrichter einmal getroffene Entscheidungen nicht mehr zurücknehmen. Warum Ballack als „Liebling der Nation“ gilt erschließt sich mir, insbesondere nach solch einem Gehabe, nicht. Auch nicht das allgemeine Mitgefühl mit dem zumindest international „ewigen Zweiten“ – Ballack ist durchweg dem Ruf des Geldes gefolgt und hat bei so unsympathschen Mannchaften wie dem 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, Bayern München und dem FC Chelsea gespielt. Erfolg haben andere verdient, die aus weniger mehr machen und sich die Titel nicht „erkaufen“. Dankbar bin ich ihm nur für sein Tor am 20.05.2000: durch sein Eigentor gegen die Spielvereinigung Unterhaching versaute er seinem damaligen Team Bayer Leverkusen die Meisterschaft.

Der erste Titel der spanischen Nationalmannschaft seit den 60ern geht in Ordnung: das Team hat das Turnier über spielerisch überzeugt. Schönen Fußball gab’s auch von den Niederlanden, Russland und der Türkei zu sehen. Wenn Deutschland mit dem gezeigten Rumpelfußball Europameister geworden wäre hätte dies, ähnlich wie bei der letzten EM die Griechen mit ihrem destruktiven Spiel, die Fußballwelt auf den Kopf gestellt. Der schlechten Leistung wäre im allgemeinen Freudentaumel zwar kaum mehr Beachtung geschenkt worden, der fade Beigeschmack des unverdienten Sieges wäre aber geblieben.

Ein Tag im Namen des Fussballs

17. Juni 2008

Wien, 16.06.08: Länderspiel Österreich – Deutschland (0:1)

wien_fans.jpg wien_fanmeile.jpg wien_fanmeile1.jpg
Fanmeile Wien Fanmeile Wien wien_stadion3.jpg
wien_stadion1.jpg wien_stadion2.jpg wien_stadion4.jpg
wien_stadion5.jpg wien_stadion6.jpg

Ein halbes Jahr :: www.elsdorf-blog.de :: – eine Zwischenbilanz

15. Juni 2008

Im Dezember letzten Jahres ging :: www.elsdorf-blog.de :: online. Seitdem wurden 48 Artikel verfasst und 31 Kommentare geschrieben. Das Feedback über die Kommentar-Funktion ist bisher relativ gering, 5 „Externe“ haben zum Teil mehrfach ihre Meinung kund getan, allen voran Ulrich mit 13 Kommentaren. Erfreulich die Zugriffszahlen, mittlerweile zählt :: www.elsdorf-blog.de :: suchmaschinenbereinigt 30 bis 50 Besucher am Tag. Viele kommen über Google, hier stehen lokale Suchbegriffe im Vordergrund. Besonders schön sind die relativ regelmäßigen Zugriffe über die IPs von RWE in Essen – viele Grüße dorthin!

Es zeigt sich, dass es nach wie vor recht schwierig ist, verlässliche Informationen zum politischen Geschehen in Elsdorf zu bekommen. Die aktuellen Informationen auf der Homepage der Gemeinde sind zum Teil dürftig, einen Vergleich mit den Homepages der Nachbarkommunen braucht Elsdorf allerdings nicht zu scheuen. Interessant ist der direkte Vergleich der Berichte zu Ratssitzungen im Kölner Stadtanzeiger und in der Kölnischen Rundschau, die inhaltlich zum Teil merklich voneinander (und den Inhalten der Ratssitzungen selber) abweichen. Gleiches gilt für die Aussagen auf den Homepages der Parteien – was dort an „Fakten“ etwa zum Kanalverkauf oder dem Hallenbad in Berrendorf zu lesen ist wirkt abenteuerlich.

Etwas schade ist, dass mangels weiterer Blogs oder Homepages mit lokaler Ausrichtung in Elsdorf, Bedburg oder Bergheim keine Vernetzung stattfinden kann. Themenmäßig dürfte es in den Sommermonaten etwas lau werden, nach den Sommerferien beginnt aber langsam der Wahlkampf (im Juni 2009 ist Kommunal- und Europawahl, im Herbst 2009 Bundestagswahl) beginnen – mit reichlich neuem (Zünd-)Stoff.

Viele Themen wurden in den vergangenen Monaten angesprochen, viele weitere konnten aus zeitlichen Gründen nicht aufgegriffen werden. Etwa die geplante Übermittlung persönlicher Daten (sexuelle Ausrichtung, Gewerkschaftszugehörigkeit,…) deutscher Bürger an die USA, die Verblödung der Amis, die Gefahren durch Biogas-Anlagen, von der Bürgerinitiative Störwind verlinkte skurrile Ansichten zur Wind- und Solarenergie („Je mehr Wind- und Solarstromanlagen in unseren Landschaften umherstehen, desto dramatischer werden die täglichen Unwettermeldungen und Klima-Abnormalitäten…“) und eine weitere Auseinandersetzung mit der Altersvorsorge (interessante Berichte hierzu: Plusminus, Stern, Nachdenkseiten, Zeit, Spiegel).

Je nach den zeitlichen Möglichkeiten und den aktuellen Geschehnissen wird es so munter weiter gehen bei :: www.elsdorf-blog.de ::. Wer sich selbst aktiv beteiligen möchte kann gerne Kommentare schreiben oder per Email (oder persönlich) Kontakt aufnehmen – die Kontaltinformationen stehen im Kleingedruckten.

Die Bodenrichtwerte (Grundstückspreise) in Elsdorf

12. Juni 2008

Wer sich nicht die Mühe machen möchte die Bodenrichtwerte (Grundstückspreise) für Elsdorf über das Bodenrichtwertinformationssystem, kurz BORIS, selbst zu recherchieren, wird nun auf der Homepage der Gemeinde Elsdorf fündig, auf der die aktuellen Bodenrichtwerte aufgeführt sind (.pdf, 7 KB). Zum 01.01.08 liegen diese im Gemeindegebiet zwischen 105 EUR/m² in Tollhausen und 150 EUR/m² in Heppendorf. Einige Werte im Einzelnen:

01.01.08 31.12.05 31.12.97
Oberembt 120,00 € 120,00 € 110,00 DM
Niederembt 115,00 € 115,00 € 120,00 DM
Tollhausen 105,00 € 105,00 € 110,00 DM
Esch 140,00 € 145,00 € 150,00 DM
Angelsdorf 140,00 € 145,00 € 150,00 DM
Elsdorf 140,00 € 140,00 € 150,00 DM
Giesendorf 140,00 € 140,00 € 140,00 DM
Berrendorf 135,00 € 140,00 € 140,00 DM
Grouven 115,00 € 120,00 € 130,00 DM
Heppendorf 150,00 € 150,00 € 150,00 DM

Auf Sicht von 10 Jahren haben sich die Grundstückspreise in der Gemeinde Elsdorf nahezu verdoppelt, allerdings sind in den letzten Jahren die Preise wieder rückläufig, insbesondere in den tagebaunahen Ortsteilen Esch, Angelsdorf, Berrendorf. Da sich die Bodenrichtwerte nach den erzielten Verkaufserlösen richten ist insbesondere in Elsdorf mit einem weiteren Rückgang der Bodenrichtwerte zu rechnen, da die Grundstücke an der ehemaligen Bahntrasse mittlerweile für 120 bis 130 EUR/m² angeboten werden.

Und wie sieht es in den Nachbarkommunen aus? In Bedburg liegen die Grundstückspreise zwischen 115 EUR/m² (im Süden Bedburgs) und 150 EUR/m² (Kaster) bzw. 155 EUR/m² (hinter dem Schloss). In Bergheim liegen die Richtwerte zum 01.01.08 bei 120 EUR/m² in Glesch, 130 EUR/m² in Paffendorf, 150 EUR/m² in Thorr und 205 EUR/m² im Zentrum Bergheims. In Kerpen-Sindorf machen sich die Nähe zu Köln und die gute Infrastruktur bemerkbar, die Quadratmeterpreise liegen bei 170 bis 185 EUR.

Die Grundstückspreise in Elsdorf liegen somit mehr oder weniger unter denen der Nachbarkommunen. Die Nähe zu Kerpen-Sindorf und die gute Anbindung dürften die Gründe dafür sein, dass auf Elsdorfer Gebiet die Grundstückspreise in Heppendorf mit 150 EUR/m² am höchsten sind. Zu welchen Konditionen sich schlussendlich die Elsdorfer Baugebiete „Ehemalige Bahntrasse“ (.pdf 950 KB) und „Zum Kapellchen“ (.pdf, 453 KB) vermarkten lassen werden wird sich zeigen.

Unsere Renten…

5. Juni 2008

Über die Renten wurde in den vergangenen Wochen viel diskutiert, sei es im Januar über Sinn und Unsinn der Riester-Rente oder jüngst über die Altersarmut. Innerhalb weniger Minuten kann man mit Hilfe eines Rentenrechners, etwa dem der Süddeutschen Zeitung oder vom Magazin Focus, ausrechnen, mit wie viel Rente man im Alter rechnen kann. Angesichts der kontroversen Mindestlohndiskussionen ist es interessant, einmal auszurechnen, was ein in ausgewählten Branchen nach Tariflohn bezahlter 35jähriger Arbeitnehmer in NRW nach 35 Jahren Maloche bei einem Renteneintrittsalter von 67 nach heutigem Stand ungefähr an Rente zu erwarten hat.

Branche €/Stunde €/Monat Rente
Frisörhandwerk 4,93 763 176,99
Hotel/Gaststätten 5,34 902 285,32
Gartenbau 5,92 1000 381,45
Gebäudereiniger 6,05 1022 389,84
Dachdeckerhandw. 6,13 1035 394,80
Einzelhandel 7,36 1199 457,36
Maler/Lackierer 8,05 1394 531,74
Bau 10,40 1801 686,99

Die Tariflöhne reichen kaum aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten, geschweige fürs Alter Rücklagen zu bilden. Ein wie von der SPD und den Gewerkschaften geforderter Mindestlohn von 7,50 würde für viele Beschäftigte eine deutliche Verbesserung bedeuten und helfen, die Existenz zu sichern. Und das ist eigentlich das Mindeste, was möglich sein sollte: mit der eigenen Arbeit ohne Schwarzarbeit oder Lohnzuschüsse seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und von der erarbeiteten Rente leben zu können.

„Steuergeschenke“ wie von den C-Parteien und der FDP vorgeschlagen helfen in diesen Gehaltsgruppen nicht weiter, wie die Berechnung mit Hilfe eines Lohnsteuerrechners (etwa vom Stern) zeigt. So liegt beispielsweise die Lohnsteuer eines Alleinstehenden, Steuerklasse I mit einem Jahreseinkommen von 12.000 EUR bei 158 Euro im Jahr, Verheiratete mit einem Kind sind bereits jetzt bis zu einem Einkommen von über 20.000 Euro steuerfrei. Steuerentlastungen kommen hier also gar nicht an. Was diesen Menschen nur helfen kann sind gerechte Mindestlöhne und, wie von der SPD vorgeschlagen, die Senkung der Sozialabgaben in den unteren Einkommensschichten. Alles andere ist reiner Populismus.

Die auf uns zukommenden sozialen Probleme durch die (Alters-)Armut lassen sich so freilich nicht vollständig lösen, hier sind erneute Korrekturen an der Rentenformel bzw. neue Konzepte gefragt. Die Rhein-Erft SPD setzt sich etwa für ein Grundeinkommen ein, mit dem man sich, bevor man es grundsätzlich ablehnt, erst einmal näher auseinandersetzen sollte. Eine andere Möglichkeit wäre die Einbeziehung Aller, egal ob Selbständiger oder Großverdiener, und aller Einkommensformen in das Rentensystem bei einer Deckelung der Höchstrente und einer Mindestrente, eventuell mit weiteren Säulen (Betriebsrente, staatlich geförderte Eigenvorsorge) also eine Mischung aus „Rüttgers-Rente“ und dem Schweizer Modell mit einer Stärkung des Solidar-Prinzips statt einer weiteren Aushöhlung.