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Das Google-Imperium oder: der gläserne Mensch

admin 11. September 2008

Mit einem für 2008 erwarteten Umsatz von mindestens 22,5 Mrd. Dollar und einem Börsenwert von 174,8 Milliarden Dollar (September 2007) ist Google eines der am höchsten dotierten, wenn nicht sogar das höchstdotierte Unternehmen weltweit. Google beherrscht den Online-Werbemarkt zu 80%, 93% aller Suchanfragen in Deutschland laufen über Google.

Dabei ist Google mittlerweile deutlich mehr als “nur” eine Suchmaschine mit umfangreichen Werbemöglichkeiten. Auch das weltweit größte Video-Portal YouTube, der Online-Vermarkter DoubleKlick und das Blog-Tool Blogger gehören zum Google-Konzern. Hinzu kommt der Kartendienst Google Maps, die “Weltansicht” Google Earth, die TV-Vermarktung TV Ads, ein Online-Kalender zur Terminplanung, eine Online-Bürosoftware ähnlich Microsoft Office, der E-Mail-Service Google Mail, das Statistik-Tool Google Analythics, ein gigantisches Buch- und Zeitungsarchiv ist im Aufbau. Seit neuestem hat Google auch einen eigenen Browser, Chrome.

Offensichtlich sammelt Google in großem Umfang Daten, etwa bei der Suchmaschine über die verwendeten Suchphrasen und beim Browser Chrome über das Surfverhalten. Dies gilt auch für Google Analythics. Über Google Maps werden schnell Aufenthaltsort und bevorzugte Ziele preisgegeben. Besonders heikel und seit Jahren umstritten ist das Auslesen der über Google Mail versendeten und erhaltenen Mails, die von Google systematisch ausgespäht werden, in erster Linie um kontextabhängige Werbung zu schalten. Die mit Hilfe der IP-Adressen individuell zugeordneten Daten werden bis zu neun Monate gespeichert, in Kombination mit den weiteren bei Google hinterlegten persönlichen Daten (Adresse, Name, Alter, Geschlecht, Familienstand etc., etwa bei der Registration beim “Google Konto”, bei Google Mail, im Blog oder im Terminkalender) können so detaillierte Nutzerprofile erstellt werden – der “gläserne Surfer” wird, bzw. ist, so Realität.

Diese Individualisierung birgt für den Nutzer einige Vorteile, etwa beim Video-Portal YouTube. Das klassische Beispiel hierfür ist der Begriff “Golf”. Wenn man mehrfach beim Suchbegriff “Golf” Videos über die Sportart Golf aufruft, bekommt man keine für einen selbst irrelevanten Videos zum Thema VW Golf mehr vorgeschlagen. Oder beim Begriff “Maulwurf”: wenn man bei diesem Suchbegriff die Kinder-Filmchen aus der Sendung mit der Maus aufruft bekommt man bald auch nur entsprechende Videos angezeigt. Ähnlich Profile erstellt etwa auch der Online-Buchhändler Amazon, der die persönlichen Empfehlungen innerhalb der aus den bereits gekauften und den angesehen Produkten abgeleiteten Interessensschwerpunkten wählt.

Die Kehrseite ist, dass irgendwo auf der Welt sehr detaillierte Persönlichkeitsprofile von uns allen angelegt werden, in denen ganz genau die Interessen, Vorlieben, das Kaufverhalten und vieles mehr gespeichert werden. Aufgrund der Globalisierung und mangelnder Datenschutzrichtlinien ist es kaum möglich, nachzuvollziehen, was über wen wo gespeichert ist. Jemand anderes entscheidet, welche Informationen man erhält (Beispiel YouTube) oder das Kaufverhalten wird manipuliert (Beispiel Amazon). Zudem besteht die Gefahr der Weitergabe der gesammelten Daten, sei es an Drittanbieter (z.B. Vermarkter oder Kreditinstitute) oder an interessierte Behörden, etwa zur “Terrorabwehr” in den USA. Die zum Teil massive Kritik von Organisationen und den zuständigen Datenschutzbeauftragten am unzureichenden Datenschutz insbesondere bei Google verhallt aufgrund ungeregelter Zuständigkeiten und mangelnder Sachkenntnis nahezu ohne Konsequenzen. 

Ob sich die Entwicklung zum “gläsernen Menschen” aufhalten lässt – bzw. der Wille dazu vorhanden ist - und sich ein neues Bewusstsein über den Umgang mit den persönlichen Daten und den Schutz der Privatsphäre entwickeln wird ist fraglich. Auf das Internet verzichten will (oder kann) kaum jemand. Um das Profiling zu minimieren sollte man selbst versuchen, möglichst wenige Informationen von sich im Internet Preis zu geben, indem man sich nicht online etwa bei Google oder den Social Networks registriert, mal die Suchmaschine wechselt oder ganz auf die Produkte von Google verzichtet, die Cookies sperrt und wenn möglich anonym surft.