RWE’s Power. Oder: Lass dich nicht verarschen…

24. Februar 2008

Mit irreführenden Kampagnen (Zitat aus einer Anzeige: „So leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz – und für die Zukunft der Region“) versucht RWE Power momentan gezielt, die Braunkohle als saubere, gar klimafreundliche Energieform darzustellen und das Image des Unternehmens in der Region aufzuwerten.

BraunkohlenkraftwerkeDie Braunkohlenkraftwerke zählen jedoch nachweislich zu den größten CO2-Verursachern und tragen damit stark zum Klimawandel bei. Bei der Verbrennung von Braunkohle entsteht durch den geringen Brennwert im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen übermäßig viel CO2, sogar mehr as doppelt so viel wie etwa bei der Energiegewinnung durch Erdgas (CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE bei Braunkohle 3,25 t, Steinkohle 2,68 t, Erdöl 2,30 t, Erdgas 1,50 t). Durch die großen Mengen an anderen Schadstoffen, insbesondere Schwefeldioxid, entstehen zusätzliche Belastungen. Durch neue Techniken wird zwar der Wirkungsgrad der Kraftwerke erhöht, sauberer werden die Kraftwerke dadurch allerdings nur in Relation zur bisher erzeugten Strommenge. Wenn aber die Altanlagen wie in Frimmersdorf nicht stillgelegt werden und die Kapazitäten wie in Niederaußem deutlich erhöht werden (allein hier sollen 400.000 Tonnen Braunkohle im Jahr zusätzlich verbrannt werden) ist dies lediglich ökonomisch von Vorteil und nicht wie propagiert ökologisch. Ökologisch würde die Investition in neue Energien deutlich mehr Sinn machen.

Hier werden von RWE Power Nägel mit Köpfen gemacht und die Weichen wieder mal auf Jahrzehnte rein auf Profit und gegen die Umwelt gestellt. Höchste Zeit, dass dieses Verhalten thematisiert wird und zumindest einige SPD-Politiker wie Guido van den Berg („Es müssen nunmehr zuerst die Abschaltungen für BoA I erfolgen. Dafür gibt es keine Ausreden mehr“) oder Hans Krings („…fordert RWE klar auf die Zusagen der Vergangenheit einzuhalten und damit Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen“) sich lautstark zu Wort melden. Ohne Bedingungen sollte man RWE Power keine Genehmigungen mehr erteilen.

RWE Power brüstet sich mit den vielen Milliarden Investitionen, die in das rheinische Braunkohlenrevier fließen und die vielen Arbeitsplätze bei RWE Power und den Zulieferbetrieben. Im Gegensatz zu anderen Industriezweigen hat RWE Power aber gar keine andere Möglichkeit als hier zu investieren – die Braunkohle, mit der sich sehr viel Geld verdienen lässt und der Markt für die erzeugte Energie befinden sich nun mal hier und nicht in Osteuropa oder Asien. Ansonsten würden die Investitionen sicherlich nicht in die Region fließen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden in der Region allein zwischen 1991 und 2002 um 66% verringert, nach Informationen der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich Energiewirtschaft und Wasserversorgung/Bergbau im Rhein-Erft-Kreis zwischen 1980 und 2002 um 50% von 11.200 auf 5.807.

Interessant wären im Gegenzug die Zahlen für den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch die Energiegewinnung durch Braunkohle entsteht, sei es allein auf den Tagebau Hambach und Elsdorf bezogen durch die Belegung riesiger wertvoller Flächen durch den Tagebau, die die Gemeinde Elsdorf ebenso hart trifft wie die Schwächung des Standortes durch abgeschnittene Verkehrswege oder die durch die Nähe des Tagebaus bedingte Abwertung des Siedlungsraumes und die dadurch resultierende negative Bevölkerungsentwicklung oder überregional durch die zukünftigen Schäden durch den durch die Kraftwerke stark forcierten Klimawandel. Da Dinge wie ersteres für RWE Power nicht von Bedeutung sind und für letzteres RWE Power nicht in die Verantwortung genommen wird kann RWE stolz verkünden, dass das Betriebsergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15% auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert werden konnte und ein Nettogewinn von knapp 3 Milliarden Euro erzielt wurde. RWE Power investiert Milliarden in neue Anlagen und ist einer der größten Arbeitgeber in der Region? Sicher, aber nicht aus lauter Nettigkeit, sondern aus strategischen Überlegungen und zur weiteren Gewinnmaximierung, mit Braunkohle lässt sich halt gut verdienen. RWE Power hat für Elsdorf in den letzten Jahrzehnten viel getan und sichert für viele Familien die Existenz – ob die Bilanz für Elsdorf aber mittel- bis langfristig aufgeht ist angesichts der momentanen (Bevölkerungs-)Entwicklung hier in Elsdorf sehr zweifelhaft.

3 Reaktionen zu “RWE’s Power. Oder: Lass dich nicht verarschen…”

  1. Ulricham 22. März 2008 um 16:24 Uhr

    Eine tolle Meinung zu RWE Power. Müssten nur mehr Leute so denken, nicht nur in Elsdorf, sondern im ganzen Revier. RWE macht riesige Gewinne, sozusagen auf unsere Kosten und wir sollen auch noch brav danke sangen, das die Umwelt zerstört wird, ganze Dörfer verschwinden oder umgesiedelt werden, unsere Kinder an Asthma leiden wegen der schlechten Luft hier und dann müssen wir, ach ’ne ich ja nicht, also Ihr den Strom noch teuer bezahlen.
    Die Politik müsste den großen EVU’s mehr auf die Finger schauen. Die erhöhen einfach die Strompreise und der Endverbraucher schaut in die Röhre. In Elsdorf hat man dann auch noch alle nachteile des Tagebaus. Angefangen bei der Lärmbelästigung über den Dreck bis hin zum zerstörten Wald. Meine Kinder können nicht mehr durch einen, über Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende, gewachsenen Wald spazieren gehen, Hütten bauen oder im Winter durch einen verschneiten Wald laufen.
    Dank RWE Power und den damaligen Politiker ist das alles weg.
    Da kann man nur danke an die Herren in den 70er sagen, die den Wald für „einen Appel und ein Ei“ verscherbelt haben!

  2. Gregoram 10. September 2008 um 09:07 Uhr

    Dass die geschalteten Anzeigen und großangelegten Kampagnen natürlich teilweise große Augenwischerei sind ist klar und ich kann die Sorge der Anwohner auch verstehen. Allerdings hat die ganze Region, so sehr sie nun auch unter den Auswirkungen leidet, auch sehr lange von dem ganzen profitiert. Nun sind diese Kraftwerke nunmal auch vorhanden und ich finde, dass jeder Plan diese umweltfreundlicher auszurüsten Unterstützung verdient. Langfristig muss natürlich nach Alternativen gesucht werden, aber in der Zwischenzeit ist es doch besser wenigstens kleine Sofortmaßnahmen zu ergreifen, auch wenn die bestimmt sehr beschönigt nach außen dargestellt werden, als einfach die schlechte Situation hinzunehmen und klagen zu lassen.

  3. Methusalemam 17. Dezember 2009 um 14:22 Uhr

    RWE findet sich mal wieder im Zusammenhang mit dem „Klimaschutz“ in der Presse wieder: kein Unternehmen in Europa pustet mehr CO2 in die Luft als RWE, der Anteil an erneuerbaren Energien bei RWE liegt bei 2,4 % – dennoch stellt sich RWE als sauberes Unternehmen dar – diese Scheinheiligkeit (oder eher Volksverdummung) lässt sich kaum überbieten. Viel zu oft wurde und wird von der lokalen Presse das Greenwashing von RWE unkritisch und unreflektiert übernommen, seien es die Pilotprojekte (und mehr sind es nicht) zur Filterung von CO2 oder die Mär vom CO2-freien bzw. „sauberen“ Kraftwerk (was es faktisch nicht geben kann, Braunkohle ist nun mal der dreckgste und energetisch schlechteste fossile Brennstoff). Gerade das ach so saubere Kraftwerk in Niederaußem, immerhin die größte Dreckschleuder Deutschlands (damit es auch jeder versteht sogar mal nachzulesen im Express) und die zweitgrößte Europas wird immer wieder „sauber“ und „innovativ“ dargestellt – wer’s glaubt ist selber schuld!

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben